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Mai 2020

DS Ticino (II) – Lago di Lugano
Die «Ticino» hatte eine Vorgängerin, 1848 von Escher Wyss in Zürich erbaut, welche aber nur kurze Zeit auf dem Luganersee im Einsatz war. 1851 wurde dieser Dampfer in Porlezza demontiert und an den Comersee verfrachtet. Ein Jahr später wurde er von der Dampfschiff-Gesellschaft Lariana unter dem Namen Adda in Dienst gestellt.

Foto: Die erste «Ticino» war nur kurz auf dem Luganersee im Einsatz.

Die zweite «Ticino» lieferte Escher Wyss im Jahre 1905 an den Luganersee. Das Schiff war 46,5 Meter lang und 5,2 Meter breit. Über die Radkasten gemessen betrug die Breite 9,2 Meter. Die schrägliegende 2-Zylinder-Verbundmaschine mit 280 PS ermöglichte eine Geschwindigkeit von 26 Km/h. Das elegante Schiff konnte bis 430 Passagiere mitnehmen und benötigte 7 Mann Besatzung. Die «Ticino» war das dritte Schiff aus einer Serie von insgesamt sechs Dampfern, die zwischen 1899 und 1910 auf dem Luganersee in Fahrt kamen. Die Hochkonjunktur und der aufstrebende Tourismus vor dem Ersten Weltkrieg ermöglichten die Beschaffung dieser Einheiten.

Foto: Das Dampfschiff Ticino (II) befindet sich abfahrtsbereit an der Stazione Centrale in Lugano.

Die Raddampfer auf dem Luganersee hatten ein spezielles Erscheinungsbild. Damit der Seedamm von Melide unterfahren werden konnte, hatten die Schiffe keine hohen Aufbauten. Der 1847 eingeweihte Damm hatte gerate eine Durchfahrtshöhe von 5,8 Meter. Der Bau der Autobahn A2 und die Regulierung des Luganersees erforderten einen Neubau des Damms, welcher 1965 eröffnet wurde. Heute beträgt die Durchfahrtshöhe 6,7 Meter.

Foto: Um den Damm von Melide zu unterfahren hatten die Raddampfer auf dem Luganersee eine spezielle Form (Ansichtskarte, abgestempelt am 4. Oktober 1911)

Die «Ticino» hatte am 24. September 1927 einen rabenschwarzen Tag. Wie üblich war das Schiff am Abend nicht in die Werft gefahren, sondern an einer Boje verankert worden. Ein heftiger Gewittersturm liess die Wellen anschwellen. Die Kette der Boje zerriss und das Schiff wurde mehrere Stunden auf dem See hin- und her geschleudert, bis es schlussendlich strandete. Der am Morgen alarmierte Werftmeister und Mitarbeiter versuchten das Schiff abzudichten. Da sich der Dampfer aber immer mehr zur Seite neigte, hatten sie keinen Erfolg und mussten sich selbst in Sicherheit bringen. Das Schiff versank rund 49 Meter im See. Die «Ticino» konnte durch Spezialisten aus Hamburg wieder gehoben werden und wurde im Dezember 1927 in die Werft geschleppt. Die Maschine des Raddampfers war nicht beschädigt und nach einer umfassenden Revision, sie kostete die Gesellschaft Fr. 400’000, konnte die «Ticino» bereits an Ostern 1928 wieder in Fahrt gehen.

Foto: Die «Ticino» wird wieder gehoben.

In den letzten Betriebsjahren wurde die «Ticino» meist auf der grossen Seerundfahrt eingesetzt. Zum Vergnügen der Passagiere unterhielt ein Orchester die Passagiere. Die «Ticino» (II) wurde bis 1954 eingesetzt und 1957 in Mendrisio abgebrochen.

Foto: DS Ticino (II) auf Kursfahrt in Richtung Morcote und Ponte Tresa.

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