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Juli 2019

MS Delphin
Der Mangel an universell einsetzbaren kleineren Schiffseinheiten veranlasste den Verwaltungsrat der damaligen Dampfschiffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (DGV) im Januar 1912, bei der Schiffbaufirma Hitzler & Co in Hamburg ein Dieselmotorschiff für rund 200 Personen Fassungsvermögen zu bestellen. Die Firma Deurer & Kaufmann in Hamburg schlägt einen direkt umsteuerbaren Zweitaktmotor, System Diesel, Patent Hesselmann vor, der in vier Arbeits- und zwei Luft-Pumpenzylindern bei 300 Umdrehungen pro Minute 120 PS effektiv leistet und von der Firma Benz & Co, Mannheim geliefert würde.

Das in Frage kommende Boot ist speziell für die Verbindungsfahrten Ennetbürgen, Buochs und Beckenried in Aussicht genommen, wo jeder Kurs durchschnittlich von nur ca. 20 – 30 Personen frequentiert ist, wofür aber aus betrieblichen Gründen bis jetzt stets ein Raddampfer von der Grösse der «Stadt Basel» oder «Stadt Mailand» zum Einsatz kam, weil sich die kleinen Benzin–Motorschiffe nicht eignen.

Der Schiffskörper wird nach den Bestimmungen des Germanischen Lloyd hergestellt. Die offizielle behördliche Abnahme erfolgte am 27./28. Januar 1913. Krängungsversuche, Fahreigenschaften, Manövrierbarkeit usw. gaben zu keinen Bemerkungen Anlass, hingegen erreichte das voll ausgerüstete Schiff die vertragliche Geschwindigkeit nicht. Die Erbauerfirma besorgte einen neuen Propeller. Doch eine weitere Probefahrt am 18. Februar brachte die Geschwindigkeit nicht über 19.068 km/h. Am 12. März 1913 beginnt schliesslich der kursmässige Einsatz des ersten Personen-Dieselmotorschiffes der Schweiz.

1913 legte das Schiff während 251 Betriebstagen eine Fahrleistung von 23’926 Kilometern zurück und in den beiden folgenden Jahren 26’282 Kilometer (287 Betriebstage) und 22’520 Kilometer (226 Betriebstage). Die folgenden Jahre wurden durch den 1914 ausgebrochenen Weltkrieg gekennzeichnet. Der Dieselkraftstoff wurde rationiert oder konnte zum Teil gar nicht mehr geliefert werden, so verzeichnete die «Delphin» 1916 und 1917 keine Fahrleistungen.

In den Jahren 1918–1923 stand das Schiff vorwiegend auf der Küssnachterroute und im unteren Seebecken im Einsatz. Wegen seiner zu knappen Geschwindigkeit waren seine Einsatzmöglichkeiten immer wieder Stein des Anstosses. Das Schiff stand daher bloss zwölf Jahre im Fahrdienst und totalisierte dabei nur 138’108 Kilometer. Das seit vielen Jahren nicht mehr eingesetzte Schiff wird 1942 ausrangiert. Der inzwischen sehr schlechte Zustand, verschiedene Mängel, der veraltete Motor sowie die ungünstige Schalenform und Stabilität rechtfertigten eine Weiterverwendung nicht mehr. Das eher glücklose und kurzlebige «Pionierschiff» kann als Alteisen zum Preis von Fr. 7‘000.- (ohne Motor) verkauft werden. Der Abbruch erfolgt 1943 in der DGV-Werft.

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