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Juli 2021

DS St. Gotthard – Bodensee
Als Ersatz für die 1853 in Betrieb genommene «St. Gallen» (I), liefern im Herbst 1897 die Gebr. Sulzer, Winterthur, für 268’000 Franken ein neues Halbsalonboot an die Nordostbahn (NOB) in Romanshorn. Die Schreinerarbeiten wurden an die Winterthurer Firma C. Gilg-Steiner vergeben, welche später auch den Vierwaldstättersee-Dampfer Schiller ausgebaut hat.

Foto: Zeitgenössische Ansichtskarte mit Poststempel vom 18. September 1898.

Die aus Stahlblech konstruierte Schiffsschale wird durch fünf wasserdichte Wände in sechs Räume unterteilt. Unter dem Hauptdeck vorne beim Bug befindet sich der Matrosenraum mit vier Betten, gefolgt von der Kajüte 2. Klasse mit lackiertem Täfer aus hellem Holz. Zur Schiffsmitte hin sind seitlich zum Treppenaufgang eine Kabine für die Maschinisten und ein Requisitenraum eingebaut. In der Schiffsmitte befinden sich eine 2-Zylinder-Nassdampf-Verbundmaschine und zwei Dampfkessel, gefolgt vom Salon I. Klasse, der zur Hälfte in die Schale versenkt ist.

Foto: Ansichtskarte mit Schiffspoststempel vom 26. August 1903.

Der darunter liegende Raum wird nicht genutzt. Im Heck befindet sich noch ein weiterer Requisitenraum. Auf dem Hauptdeck sind in der Rondelle Bänke für die Fahrgäste der 2. Klasse aufgestellt. In den Radkasten sind neben Räumen für den Kapitän, Steuermann und Kassier Küche und Toilettenanlagen eingebaut. Auf dem Salon- und Oberdeck sowie auf dem vorderen Hauptdeck können Schatten spendende Zelte aufgezogen werden.

Foto: DS St. Gotthard und DS St. Gallen in Romanshorn. Im Vordergrund befindet sich ein vollbeladener Schleppnauen (Ansichtskarte mit Poststempel vom 11. Oktober 1921).

Die Ausstattung des 1. Klass-Salons ist im Stile von Louis XV gehalten. Die Rahmen des Täfers sind aus rotem Sandelholz, verziert mit Schnitzereien. Die Füllungen der Intarsien sind aus weissem Ahorn. Ringsum verlaufen Sofas mit blauem Plüschüberzug. Beim Treppenaufgang zum Hauptdeck befindet sich auf der einen Seite eine Raucherkabine, deren Sitze mit Leder überzogen sind. Auf der anderen Seite liegt eine helle, im Empire Stil erbaute Damenkabine, deren Sofas mit rotem Plüschüberzug versehen sind. Alle Räume werden durch 46 Glühlampen erleuchtet.

Foto: Gutgelaunte Passagiere erfreuen sich auf einer Fahrt mit dem DS St. Gotthard.

Den nötigen Strom liefert ein im Maschinenraum aufgestellter Dampfdynamo mit Lavalturbine. Das Schiff hat in der Wasserlinie eine Länge von 51,0 m und die grösste Breite über den Radkasten beträgt 12,0 m.

Foto: Die drei Dampfer St. Gotthard, Rhein und St. Gallen werden in Rorschach von Massen gestürmt.

Der Dampfer hat mehrmals Grundberührung und erleidet verschiedene kleinere Havarien, was auf strenge Einsätze schliessen lässt. Ende 1904 wird ein eiserner Mast mit Rah für die Signalbeleuchtung montiert.

Foto: Qualmend verlässt die «St. Gotthard» den Hafen von Friedrichshafen.

Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges erzwingt 1940 die Stilllegung der fahrtüchtigen «St. Gotthard». In relativ kurzer Zeit hat der Raddampfer über 1,15 Mio. Kilometer zurückgelegt. Im Herbst 1943 wird er in Romanshorn sorgfältig abgewrackt, Schrottteile sind in den Kriegsjahren besonders wertvoll.

Foto: Im Oktober 1943 wird die «St. Gotthard» in Romanshorn zerlegt. Ein Teil der Bleche wird in die damalige SBB-Hauptwerkstätte Olten überführt und wieder verwendet.

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