MS Winkelried (III) - Vierwaldstättersee

Festlich beflaggt zeigt sich die neue «Winkelried» an der Werftbrücke 5 nach dem Stapellauf.(Foto Anton Räber, 6. August 1963)
Festlich beflaggt zeigt sich die neue «Winkelried» an der Werftbrücke 5 nach dem Stapellauf.
(Foto Anton Räber, 6. August 1963)

Durch den Bau der Achereggbrücken muss von den ursprünglichen Plänen, ein weiteres Motorschiff (mit dem bereits feststehendem Namen Winkelried) als Schwesterschiff von MS Schwyz zu bauen, der künftigen Durchfahrtsverhältnisse wegen abgerückt werden. Das neue Schiff erhält kein Brückendeck wie die «Schwyz», sondern es ist vollkommen flach gebaut, was ihr den Spitznamen «Crèmeschnitte» verleiht. Die Kiellegung erfolgt im Januar 1960. Die «Winkelried» hat eine Länge von 58,36 Meter und eine Breite von 11,27 Meter und kann 1’200 Personen befördern. Angetrieben wird das Schiff von zwei Saurer Viertakt-Dieselmotoren mit je einer Leistung von 450 PS. Am 6. August 1963 findet der Stapellauf statt, am 17. August wird die «Winkelried» auf ihrer Jungfernfahrt vom DS Italia begleitet. Nachher scheidet die «Italia» aus dem aktiven Dienst aus.

 

Der Name

Das Motorschiff Winkelried ist bereits das dritte Schiff dieses Namens auf dem Vierwaldstättersee. Es ist benannt nach Arnold von Winkelried. Dieser Mensch soll am 9. Juli 1386 bei der Schlacht bei Sempach ein Bündel Lanzen der habsburgischen Ritter gepackt und, sich selbst aufspiessend, den Eidgenossen damit eine Bresche geöffnet haben. Sein Opfer soll der Schlüssel zum eidgenössischen Sieg gegen die Habsburger unter Herzog Leopold III. gewesen sein.

 

Im Laufe der Zeit

Pech und Glück zugleich: Am 8. Dezember 1964 fährt die «Winkelried» bei dichtem Nebel, eingeteilt auf dem Kurs 8, von Beckenried kommend bei der «Oberen Nas» ca. 15 Meter auf das Land. Fahrgäste sind nicht an Bord, Schäden am Schiff sind fast keine zu erkennen. Am anderen Tag wird die «Winkelried» durch das herbeigeilte Dampfschiff Uri aus der misslichen Lage befreit. Die Berner Tageszeitung «Der Bund» berichtet darüber.

 

Noch im gleichen Jahr, am 17. Dezember 1964, wird das Schiffspost-Büro zum letzten Mal bedient. Im heute noch vorhandenen «Postzimmer» sitzen Beamte der PTT, um Briefe und Karten zu sortieren und an den Zielorten dem Briefträger herauszugeben. Anschliessend werden während einigen Jahren nur noch Expressbriefe und -pakete auf den Schiffen befördert. Diese werden dem Stationsbeamten der jeweiligen Ortschaften übergeben, der diese selber dem Empfänger überbringt. Damit lässt sich ein zusätzliches «Sackgeld» verdienen. Es gibt sogar Stationsbedienstete, die an ihrem freien Tag auf die Expresspost warten…

 

Im Jahr 2007 erhält die «Winkelried» eine neue Inneneinrichtung im maritimen Stil, die harten Aussenbänke werden durch geflochtene Stühle abgelöst – beides kommt bei den Fahrgästen ausserordentlich gut an.

 

Die vierten Motoren

Im Winter 2021/22 werden die Antriebsmotoren ersetzt. Die neuen Scania-Motoren sind sehr abgasarm und leisten je 405 kW. Der markante Hauptmast, bisher wurden die Abgase durch diesen abgeleitet, wird ersetzt. Ein einfacher, zu kurz geratener «Stickelmast» gibt der «Winkelried» ein neues, aus meiner Sicht nicht sehr vorteilhaftes, Aussehen.

 

Das Motorschiff Winkelried ist in allen vier Jahreszeiten einsatzbereit und legt pro Jahr bis zu 35’000 Kilometer zurück.

 

In der Ausgabe 173 der Dampferzeitung erschien eine Chronik des MS Winkelried. Die Printausgabe ist bei der DZ erhältlich (5 Franken zuzüglich Verpackung und Porto).

 

Zusätzliche Informationen über das MS Winkelried.

 

Die tagesaktuellen Einsätze des MS Winkelried können auf der Fahrordnung abgerufen werden.

 

Bericht im Urner Wochenblatt über die 60jährige «Winkelried».