MS Ville d’Yverdon – Lac de Neuchâtel

Das MS Ville d’Yverdon kurz nach der Einweihung in La Sauge, Broyekanal.(Foto Sébastien Jacobi, 1965)
Das MS Ville d’Yverdon kurz nach der Einweihung in La Sauge, Broyekanal.
(Foto Sébastien Jacobi, 1965)

Die 1950er- und 1960er-Jahre sind auf unseren Seen durch Dampfschiff-Sterben gekennzeichnet. Auf den Juraseen verschwinden die Dampfer Hallwyl (1955), Yverdon (1960), Berna (1964), Fribourg (1965) und Neuchâtel (1968).

 

Im März 1964 bestätigt der Bund seinen Finanzierungsanteil an ein neues Schiff für die Schifffahrtsgesellschaft des Neuenburger- und Murtensees (LNM). Mit den drei Anrainerkantonen Neuenburg, Freiburg und Waadt sowie mit der Stadt Neuenburg ist es bereits so weit. So bestellt die LNM, als Ersatz für das auszurangierende Dampfschiff Fribourg (1913) ein Schiff mit der gleichen Tragfähigkeit. Die Werft Linz wird bevorzugt wegen den günstigen Zollbestimmungen zwischen Österreich und der Schweiz innerhalb der Europäischen Freihandelsgemeinschft (EFTA).

 

Transport und Inbetriebnahme

Das Motorschiff Ville d’Yverdon wird als 1’177. Neubau von der Schiffswerft Linz AG erbaut. In einer Bauzeit von nur 13 Monaten, vom Tage der Bestellung bis zur Auslieferung, wird das Schiff fertiggestellt, wovon die Montagezeit in Nidau und Neuchâtel lediglich dreieinhalb Monate betragen. Die Einhaltung dieser kurzen Lieferzeit ist nur durch die Anwendung der erprobten Sektionsbauweise (provisorischer Bau in Linz, Transport in Einzelteilen in die Schweiz [Sektionen] und Zusammenbau in Nidau und Neuchâtel) möglich.

 

Das neue Schiff kommt mit der Bahn aus dem österreichischen Linz in siebzig losen Teilen. Es ist auf dreissig Eisenbahnwagen verladen. Die ersten sieben Wagen treffen am 26. Januar 1965 in Nidau am Bielersee ein. Dank dem, inzwischen aufgehobenen, Industriegleis erfolgt der Auslad unmittelbar an die Baustelle am See. Nach dem Zusammensetzen wird das Schiff im Rohbau schwimmend durch ein Güterschiff, Seite an Seite, am 25. Februar zur Werft nach Neuenburg überführt. Hier wird das Schiff fertig ausgebaut.

 

Der Stapellauf findet am 5. Mai 1965 statt. Bei den Abnahmefahrten am 18. Mai erreicht das Schiff eine Geschwindigkeit von 29 km/h. Am 21. Mai 1965 erfolgt die festliche Jungfernfahrt nach Yverdon in Begleitung des Dampfschiffes Neuchâtel.

 

Die «Ville d’Yverdon» ist 49,06 Meter lang und 9,00 Meter breit (jeweils über alles). Angetrieben wird dieses Schiff durch zwei GM-Dieselmotoren vom Typ V-71 N. Auf dem neuen Schiff finden 560 Personen Platz. Die «Ville d’Yverdon» ist das erste grosse Motorschiff auf dem Neuenburgersee.

 

Technische Merkmale

Als das MS Ville d’Yverdon bestellt wird, steht in Linz bereits das neue Bielersee-Motorschiff Berna im Bau. Die LNM entscheiden sich für ein in der Höhe niedrigeres Schiff, um auch bei etwas höherem Wasserstand unter den Brücken im Zihlkanal fahren zu können.

 

Es entsteht ein Schiff nach Luganersee-Vorbild: Hauptdeck von Mittschiff bis Bug mit Salon (30 Sitzplätze), Halbsalonbauart hinten mit Salon-Restaurant (75 Sitzplätze) und ganz offenem Oberdeck auf 1½-Höhe. Ein Sonnenschutz war vorgesehen, aber nicht verwirklicht worden. Das Steuerhaus befindet sich auf dem Hauptdeck, etwas erhöht, in Bugnähe.

 

Im Frühjahr 1993 erhält das Schiff eine neue elektrische Ausrüstung 220/380 V mit zwei Generatoren des Typs Detroit Diesel/Leroy Somer 4-71TA je 85 kVA.

 

Im Jahr 1995 werden die beiden GM-12 Zylinder-Dieselmotoren V71N von je 350 PS (258 kW) durch zwei Detroit Diesel 8 Zylinder V92 von je 440 PS (324 kW) ersetzt.

 

In Hinsicht auf die Expo.02 wird die ganze LNM-Flotte gründlich aufgefrischt und angepasst. Das Motorschiff Ville d’Yverdon wird im Winter 2000/2001 vollständig revidiert und teilweise erneuert: Einbau eines Invaliden-WC’s, Umbau der Küche und des Buffets, Erneuerung des Führerstands, Neubau des Steuerhauses, hydraulische Steuerung der Bug- und Heckruder mit gleichzeitigem Ersatz des Steuerrades durch einen Joystick.

 

Gemäss Info-Tafel an Bord wiegt das Schiff jetzt 220 Tonnen und es erreicht eine Geschwindigkeit von 30 km/h. Es ist das schnellste Schiff der Juraseen.

 

Betrieb

Im ersten Betriebsjahr verkehrt die «Ville d’Yverdon» hauptsächlich zwischen Neuenburg und Murten.

 

Im Jahr 1966 werden die «Romandie»-Schiffe der Linie Neuenburg-Solothurn an die Bielersee-Schifffahrtsgesellschaft (BSG) verkauft. Die Aareschifffahrt beginnt jetzt nicht mehr in Neuenburg, sondern in Biel. Mit dem Verschwinden der Parallelfahrt Neuenburg-Bielersee steigen die Frequenzen auf dieser Strecke, sodass das MS Ville d’Estavayer durch die grössere «Ville d’Yverdon» ersetzt werden muss.

 

Seit dem Sommer 2009 ist die «Ville d’Yverdon» in Murten stationiert und wird mit grossem Erfolg für eine neu eingeführte Drei-Seen-Fahrt ab dieser Stadt nach Neuenburg und Biel eingesetzt. Als Schwerarbeiter der LNM-Flotte legt das Schiff in der Saison (fast) täglich 140 Kilometer zurück. Es ist in der Regel auf der Strecke von Murten via Neuchâtel nach Biel eingesetzt.

 

Zusätzliche Informationen über das MS Ville d’Yverdon.