Mitte September 1998 wurde das dritte Schiff der Albisklasse in drei Teilen zur Werft in Wollishofen transportiert. Für die Taufe und die Jungfernfahrt hatte die ZSG auf den 30. März 1999 eingeladen. Normalerweise bleibt der Name eines Schiffes bis zur Taufe streng geheim. Eine vorzeitige Bekanntgabe könnte Unglück bringen. Doch bei diesem Schiff konnte die Geheimhaltung nicht aufrecht erhalten werden. Ein erster Hinweis war, dass als Patin für die Schiffstaufe Frau Christiane Weibel, Direktorin der Sihltal-Zürich-Uetliberg Bahn (SZU) auserkoren war. Dazu kam, dass die Fähregesellschaft Horgen-Meilen (FHM) mit einem Publikumswettbewerb einen Namen für ihre neue Fähre suchte. Es wurde der Name Uetliberg ausgeschlossen, da die ZSG bereits ein Schiff mit diesem Namen habe. Dies war aber bis zur Taufe nicht der Fall.
Der dritte Drilling erhielt den Namen Uetliberg und ist 42.30 Meter lang und 7.30 Meter breit (jeweils über alles). Die beiden MAN-Dieselmotoren leisteten je 340 PS, wirkend auf zwei Schottel-Ruderpropeller. 300 Personen können mitfahren.
Ballett auf dem See
Auf der Jungfernfahrt wurde der Neuling von seinen beiden Schwesterschiffen Albis und Pfannenstiel begleitet. Mit dabei war auch das vom neuen Schiff verdrängte MS Möve. Die Dampferzeitung aus Luzern hatte für ihre Leserinnen und Leser eine Abschiedsfahrt mit der Motorschwalbe ausgeschrieben. Somit nahm zum Beginn dieser Fahrt auch die «Möve» an der Jungfernfahrt teil. Auch der Raddampfer Stadt Zürich mit Kindern an Bord war an der Taufparade beteiligt.
Zum Auftakt zeigten die ZSG-Drillinge mit einem Schiffsballett ihre Wendigkeit. Vor Thalwil vereinigten sich alle fünf Schiffe zum Taufakt. Die Direktorin der SZU nahm die Taufe von Bord der seitlich vertäuten «Möve» aus vor. Als sie allerdings der weiss-blau verpackten Flasche den nötigen Schwung gab, löste sich diese von der Leine und verschwand in den Tiefen des Sees, ohne das Taufkind auch nur berührt zu haben. Beim zweiten Anlauf klappte es dann ohne Probleme. Danach löste sich die «Möve» vom MS Uetliberg und die Drillinge («Albis», «Pfannenstiel» und «Uetliberg» ) wurden zusammengebunden, damit die Gäste von einem Schiff zum anderen zirkulieren konnten. Rechtzeitig zum Saisonstart 1999 konnte das Schiff an Ostern in Dienst gestellt werden.
Nach langen Jahren treuer Dienste, vorallem auf der Kleinen Rundfahrt, kam die «Uetliberg» im Herbst 2024 in die Werft. Als erstes Schiff der «Albis»-Klasse wird das Schiff auf einen reinen Elektroantrieb umgebaut. Untenstehend die Medienmitteilung der ZSG über den Umbau und die Inbetriebnahme.
Medienmitteilung vom 28. Juli 2025
Einweihungsfahrt EMS Uetliberg
Die Zukunft fährt elektrisch. Mit der feierlichen Einweihungsfahrt am 28. Juli 2025 setzt das vollständig elektrifizierte EMS Uetliberg ein starkes Zeichen für eine nachhaltige Schifffahrt. Mit emissionsfreiem Antrieb, modernster Technik und einem klaren Bekenntnis zum Klimaschutz steht das Projekt beispielhaft für die Zukunftsfähigkeit regionaler Mobilität auf dem Zürichsee. Zehn Monate lang wurde das MS Uetliberg auf der ZSG-Werft in Zürich-Wollishofen umfassend umgebaut. Über 30 Mitarbeitende aus Schlosserei, Metallbau, Schreinerei, Malerei, Elektroabteilung und Projektleitung arbeiteten gemeinsam an der Transformation. Dabei wurde unter anderem die gesamte Dieselantriebsanlage ausgebaut, 20 Tonnen Batterien installiert, die Aerodynamik des Schiffsrumpfs optimiert und der Innenausbau auf allen drei Decks vollständig neu gestaltet.
Dieser Umbau ist nicht nur eine Premiere für die ZSG, sondern auch eine technische Pionierleistung: Das EMS Uetliberg ist europaweit mit der grössten auf einem Schiff verbauten Batterieeinheit ausgestattet. 7’200 Batteriezellen erbringen eine Bruttokapazität von 3’550 kWh und bewegen das 192 Tonnen schwere Schiff während sieben kleinen Seerundfahrten pro Tag. Mit der Elektrifizierung werden jährlich rund 113’000 Liter Diesel eingespart, was 300 Tonnen CO₂ entspricht. Geladen werden die Batterien über Nacht in der Werft in Zürich-Wollishofen mit Ökostrom der Elektrizitätswerke der Stadt Zürich (EWZ).
Elektrifizierung der Albisklasse: grösste Flotteninvestition in der ZSG-Geschichte
Auf den Umbau des MS Uetliberg folgen in den kommenden zwei Wintern die Schwesternschiffe MS Albis und MS Pfannenstiel. Mit der Elektrifizierung der gesamten Albisklasse erreicht die ZSG einen bedeutenden Meilenstein in ihrer Dekarbonisierungsstrategie. Für den Umbau der drei Motorschiffe investiert die ZSG bis 2027 insgesamt CHF 21.5 Millionen, was die bisher höchste Investitionssumme in der 135-jährigen Geschichte des Unternehmens ist.
Die ZSG ist Partner des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV) und wird über diesen finanziert. Beschaffungen in dieser Grössenordnung mussten vom Verkehrsrat des Kantons Zürich genehmigt werden.
Einweihungsfahrt
Der feierliche Startschuss für den Einsatz des EMS Uetliberg wurde am 28. Juli 2025 im Beisein von rund 60 geladenen Gästen gefeiert. Bei einer exklusiven Rundfahrt konnten sich die Teilnehmenden selbst von der leisen, emissionsfreien Antriebstechnologie und dem vollständig erneuerten Interieur überzeugen. Ab dem 1. August 2025 verkehrt das EMS Uetliberg täglich im Kursverkehrt auf der kleinen Seerundfahrt. Nach den drei E-Limmatbooten, die bereits seit März 2023 vollelektrisch auf der Flussrundfahrt im Zürcher Seebecken unterwegs sind, markiert der Umbau des EMS Uetliberg einen weiteren bedeutenden Schritt der ZSG in Richtung Nachhaltigkeit. Der CO₂-Ausstoss konnte gegenüber 2019 bereits um 875 Tonnen reduziert werden (-23%). Mit der Elektrifizierung der Albisklasse sollen künftig zusätzliche 1000 Tonnen CO₂ pro Jahr eingespart werden.
Bericht in der Neuen Zürcher Zeitung
Mehr Informationen über das MS Uetliberg