Die ZDG einigte sich 1936 mit den oberen Seegemeinden über einen geforderten Ausbau des Querverkehrs und vergrösserte das Fahrplanangebot ab Frühling 1937. Für diesen Betrieb war ein weiteres kleines Dieselmotorschiff erforderlich. An den Kosten von 130’000 Franken beteiligten sich Bund und Kanton mit 44’000 Franken. Im August 1936 transportierte man den Neubau vom Areal von Escher Wyss & Cie. auf der Strasse in den Hafen Enge, wo das Schiff von Stapel lief. Das Motorschiff, angetrieben von einem Sulzer 2-Takt Dieselmotor mit einer Leistung von 180 PS auf einen Sulzer-Verstellpropeller erhielt den Namen Stäfa. Die «Stäfa» ist 24,00 Meter lang und 5,10 Meter breit (jeweils über alles) und kann 140 Personen befördern.
Das Motorschiff Stäfa kam im Januar 1937 in Fahrt. Die Frequenzen der zusätzlich ausgeführten Querfahrten im oberen Seeteil lagen zu Beginn unter den Erwartungen.
Verstellpropeller
1944 lieferte Sulzer für die «Stäfa» versuchsweise einen Verstellpropeller auf eigene Kosten. Dieser musste nach einer Havarie des Schiffes am 29. Dezember 1947 bei der Abfahrt in Uetikon als Garantieleistung ersetzt werden. Die Havarie, bei der das Schiff manövrierunfähig wurde, war auf eine bekannte Unregelmässigkeit des Sulzer-Verstellpropellers zurückzuführen.
Das Ende
Ende 1975 hatte das damalige Eidg. Amt für Verkehr (EAV) das Fassungsvermögen der «Stäfa» von 150 auf 100 Passagiere reduziert. Trotz diesem Entscheid erreichte das Motorschiff das geforderte Freibord von 50 cm nicht. An seiner Sitzung vom 18. Mai 1976 besprach der Verwaltungsrat der ZSG die Zukunft der «Stäfa». Umbau oder Ersatz stand auf dem Traktandum. Der Verwaltungsrat hatte im Vorjahr noch einen Kredit von 52’000 Franken für einen neuen Motor bewilligt, trotzdem konnte ein Entscheid über einen Umbau oder die Beschaffung eines neuen Schiffes nicht hinausgeschoben werden. Der Entscheid fiel zugunsten eines Neubaus, an dem sich die ZSG mit Eigenleistungen beteiligte.
Letzte Fahrten
Am Freitag, 8. Oktober 1976 führte die «Stäfa» ihre letzten Kursfahrten durch. Alle Fahrgäste konnten an diesem Tag gratis mitfahren, es wurden keine Billette auf dem Schiff verkauft und jedermann konnte sich an einem kleinen Abschiedstrunk erfreuen. Allerdings trauten nicht alle Passagiere dem Angebot. Einige glaubten die Kasse sei geschlossen, damit das Fernsehen einen Beitrag zur Reihe «Vorsicht Kamera» drehen könne. Auf den allerletzten Kursfahrten waren am Abend die Behördenvertreter der oberen Seegemeinden eingeladen.
Die «Stäfa» wurde nach der Ausserdienststellung von der Stadt Zürich für 2’000 Franken erworben. Das Schiff wurde in der Freizeitanlage in Wollishofen verankert und löste dort die stillgelegte Dampfschwalbe Lützelau ab.