MS Pilatus (II) - Vierwaldstättersee

Am 10. Dezember 1966 durfte das MS Pilatus seine Jungfernfahrt erleben. Diese Aufnahme entstand kurz vorher anlässlich einer Probefahrt.(Foto SGV, 1966)
Am 10. Dezember 1966 durfte das MS Pilatus seine Jungfernfahrt erleben. Diese Aufnahme entstand kurz vorher anlässlich einer Probefahrt.
(Foto SGV, 1966)

Nach der Indienststellung der beiden Grossmotorschiffe Schwyz (1959, Tragkraft 1‘000 Personen) und Winkelried (1963, Tragkraft 1‘200 [heute 700] Personen) wird 1964 mit dem Bau einer neuen Einheit begonnen. Das MS 42 genannte Schiff soll das Dampfschiff Gotthard von 1889 ersetzen.

 

Durchgehende Bahnverbindung

1963 nimmt die Luzern-Stans-Engelbergbahn (LSE, heute Zentralbahn) den durchgehenden Betrieb auf der Strecke von Luzern nach Engelberg auf. Mit dem neuen Achereggtunnel und der neuen Seeüberquerung bei Stansstad kann der Obwaldner Höhenkurort bequem erreicht werden. Für die Reisenden entfällt dadurch der umständliche Umstieg in Stansstad vom Schiff auf die Bahn und umgekehrt. Auch die Fracht, die Post und das Reisegepäck werden von nun an direkt im Zug befördert. Diese neue Bahnstrecke hat auch Auswirkungen auf die SGV. Interne und externe Studien ergeben eine neue Ausgangslage für den Fahrplan und die Frequenzen auf der Stansstader-Route.

 

Kleineres Schiff

Da (leider) mit erheblich kleineren Beförderungszahlen in Richtung Stansstad zu rechnen ist, beschliessen der Verwaltungsrat und die Direktion ein Motorschiff mit einem Fassungsvermögen von ungefähr 300 Personen zu bauen. Damit wird das Schiffbauprogramm, das 1931 mit MS Mythen seinen Anfang nimmt, weitergeführt.

 

Nach Schleppversuchen des Schalenmodells in der Hamburgischen Schiffbauversuchsanstalt erfolgt die Kiellegung der neuen Einheit am 16. März 1964. Am 22. November 1966 läuft das, auf den Namen Pilatus getaufte, Schiff von Stapel. Nach der ersten Probefahrt vom 30. November findet am 1. Dezember ein Krängungsversuch und am 7. Dezember die Abnahme statt. Dabei ergeben sich ungünstige Stabilitätswerte, die das Schiff während der ganzen Einsatzzeit begleiten werden. Die feierliche Jungfernfahrt findet am 10. Dezember 1966 statt. Bereits einen Tag später wird das MS Pilatus im Kursbetrieb eingesetzt. Die «Pilatus» ist das zweite Schiff des gleichen Namens auf dem Vierwaldstättersee. Das Dampfschiff Pilatus steht von 1895 bis im Sommer 1966 im Einsatz. Der Name Pilatus wird somit nahtlos auf einem Schiff weitergeführt.

 

Das Schiff hat eine Länge von 40,30 Meter und eine Breite von 8,20 Meter (jeweils über alles), ein Saurer 4-Takt Dieselmotor mit einer Leistung von 450 PS treibt einen Escher Wyss-Verstellpropeller an. Die Tragkraft beträgt 400 Personen. Der Schiffsausweis wird 1970 erneuert.

 

Einsatz

Von allem Anfang an steht das MS Pilatus für als Sommerschiff für Nebenkurse im Einsatz.

 

Anfang der 1970er bis Ende der 1980er-Jahre steht das MS Pilatus meist auf den beiden Frühkursen nach Vitznau, allen drei Kursen nach Küssnacht und dem Feierabendkurs nach Gersau mit Direktfahrt nach Luzern im Einsatz.

 

Anfang der 1970er bis Ende der 1980er-Jahre steht das MS Pilatus meist auf den beiden Frühkursen nach Vitznau, allen drei Kursen nach Küssnacht und dem Feierabendkurs nach Gersau mit Direktfahrt nach Luzern im Einsatz.

 

Mitte der 1980er-Jahre bis Anfang der 1990er-Jahre wird die «Pilatus», wegen einem markanten Angebotsausbau, auch im Winterdienst eingesetzt. Dazu erscheint auch ein spezielles Jugendticket.

 

Mit dem Einsatz der neuen Panoramamotorschiffe Weggis, Brunnen und Flüelen ab Anfang der 1990er-Jahre gehen die fahrplanmässigen Einsätze langsam zurück.

 

Von allem Anfang an ist das Motorschiff Pilatus ein beliebtes Extrafahrtenschiff. So wird es bis Ende der 1980er-Jahre als Extraschiff von Hochzeitsgesellschaften «gestürmt». Im Wonnemonat Mai sowie im September ist es Wochenende für Wochenende für Apérofahrten unterwegs, und dies nicht nur einmal pro Tag. Auch hier gehen die Einsätze mit dem Erscheinen der Panoramamotorschiffe zurück. Traditionsgemäss wird die «Pilatus» viele Jahre lang für Wallfahrten zum heiligen Wendelin nach Greppen eingesetzt.

 

2006 findet in Deutschland die Fussball-Weltmeisterschaft statt. Die brasilianische Nationalmannschaft verbringt die Wochen vor diesem Anlass mit Trainingseinheiten in Weggis. Da öffentliche Trainings angekündigt sind, gibt es Zubringerdienste mit dem MS Pilatus nach Weggis. Als Brasil-Liner werden heisse Rhythmen gespielt und coole Drinks serviert. Im Einstiegsdeck erhält das Schiff eine Bar samt DJ-Pult. In den Salon werden bequeme Lounge-Sessel positioniert.

 

Neue Flottenstrategie

Nach den Gesamtsanierungen der Dampfschiffe soll die Motorschiff-Flotte erneuert werden. Es wird bestimmt, dass, im Zeitraum bis 2020, die Motorschiffe Pilatus, Reuss und Rigi ausser Dienst gestellt werden und durch Neubauten ersetzt werden. Die Motorschiffe Rütli, Winkelried und Schwyz sollen eine Generalsanierung bekommen. Mit der Inbetriebnahme des Katamarans Cirrus im Jahre 2009 gilt das das Motorschiff Pilatus nominell als ersetzt. Weil jedoch die «Unterwalden» zu diesem Zeitpunkt noch in der Werft weilt, wird MS Pilatus noch als Einsatzreserve gebraucht.

 

Letzte Einsätze

Am trüben Sonntag, 17. Oktober 2010 finden die letzten Kursfahrten (Kurse 59/60 nach Alpnachstad und 67/68 nach Stansstad) statt. Die SGV offeriert dazu ein Spezialbillett zum Preis von 10 Franken. Die allerletzte Fahrt ist dem Personal vorbehalten: Der (interne) Skiclub führt seine Generalversammlung am 20. November 2010 in Weggis durch und benützt für die nächtliche Heimfahrt das MS Pilatus. Nach einer gesamten Fahrleistung von 838‘687 Kilometern wird das Motorschiff Pilatus ausser Dienst gestellt.

 

Abschied

Angesicht der hohen Kosten (ca. 100‘000 Franken) für einen Rückbau des Schiffes möchte die SGV das Motorschiff Pilatus für 5‘000 Franken (weg ist weg…) verkaufen. Die Pläne einer interessierten Privatperson die «Pilatus» im Raum Venedig als Wohnschiff zu betreiben, zerschlagen sich. Am 2. September 2011 schleppt das MS Brunnen das Schiff zum Abbruch in Rotzloch.

 

In der Ausgabe 4/2010 der Dampferzeitung erschien ein Artikel über das MS Pilatus.