An der Generalversammlung vom 1. Juli 1954 ermächtigten die Aktionäre den Verwaltungsrat der URh zwei neue Schiffe zu bestellen. Als Vorbild dienten die Schwesterschiffe Munot und Arenenberg und nicht wie vom Verwaltungsrat befürchtet und in der lokalen Presse teilweise befürwortet kleinere Schiffe.
Offerte aus Kressbronn
Anfangs Oktober 1954 wurde die Boden-Werft aufgefordert, einen Kostenvoranschlag für den Bau zweier Motorschiffe zu erstellen und sich dabei an folgende Richtlinien zu halten:
Die Bodan-Werft hätte gerne 4-Takt-Motoren der MWM-Werke aus Mannheim in die Schiffe eingebaut. Obwohl das Angebot aus Winterthur rund zehn Prozent teurer war, entschloss man sich für Sulzer-Maschinen. Dies mit dem Hinweis, dass bereits der Bau der Schiffe ins Ausland vergeben werde und wenigstens ein kleiner Teil des Auftrages in der Schweiz verbleiben sollte.
Lieferung der Schiffe
Im Dezember 1955 unterzeichnete die Schifffahrtsgesellschaft einen Vertrag mit der Bodan-Werft über die Lieferung von zwei Einschrauben-Dieselmotor-Fahrgastschiffen. Wiederum wurde für beiden Einheiten zusammen ein Abrechnungskonto geführt, so dass sie je 585‘000 Franken teuer wurden.
Die beiden baugleichen Schiffe sind 38,55 Meter lang und 8,20 Meter breit (jeweils über alles). Der Sulzer-2-Takt-Dieselmotor des Typs 6TW24 leistet 450 PS. Die Schiffe können je 350 Personen befördern.
Die «Kreuzlingen» kam zuerst
Am 18. Juli 1956 erreichte das neue Schiff begleitet vom Raddampfer Hohenklingen und dem Motorschiff Konstanz den Hafen Kreuzlingen, wo es getauft wurde. Der Sulzer 2-Takt-Dieselmotor 6 TW 21 machte keine Probleme wie auch das Schiff selber der Schifffahrtsgesellschaft kaum Sorgen bereitete.
Im Lauf der Zeit
Am 7. September 1963 kollidierte die «Kreuzlingen» mit der Quaimauer in Stein am Rhein und beschädigte den Bug.
Am 26. August 1984 lief es bei niedrigem Wasserstand im Zellersee auf Grund. Nachdem die Passagiere vom herbeigeeilten MS Thurgau übernommen worden waren, kam es wieder frei.
Weit schlimmere Folgen hätte im Januar 1988 ein Vorfall während des Winterlagers am Werftsteg haben können. Auf einer neben der «Kreuzlingen» liegenden Privatyacht brach ein Brand aus. Die Hitze war so intensiv, dass auf dem Kursschiff ein Schaden von 47‘000 Franken entstand.
Finanzielle Nöte
Das Jahrhundert-Hochwasser im Jahr 1999 behinderte die Schifffahrt auf dem Untersee und Rhein. Während 39 Tagen war kein Kursverkehr möglich und die Brücke in Diessenhofen konnte während siebzig Tagen nicht durchfahren werden. Trotz Hilfe der öffentlichen Hand und von privater Seite realisierte die Schifffahrtsgesellschaft einen erheblichen Verlust. Dieser zwang die Verantwortlichen die Strategie zu überprüfen. In der Folge wurden die Fahrpreise erhöht, Personal abgebaut, am Unterhalt der Schiffe gespart und die Flotte um eine Einheit reduziert.
Verkauf nach Diessenhofen…
Die «Kreuzlingen» wurde im Jahr 2001 für 200‘000 Franken von der URh an die Elektronic Print Handels AG (EPH) in Diessenhofen verkauft. Diese wandelte das Schiff in ein schwimmendes Tagungs- und Präsentationszentrum um, welches zugleich auch für gehobene Eventfahrten genutzt werden kann. Der neue Besitzer investierte in das Schiff und liess an Stelle der Schiffskasse eine Bar errichten, den vorderen Salon in einen Bankettraum mit neuer Küche umbauen und den hinteren Salon um drei Meter verlängern. Die Tragfähigkeit wurde auf 200 Personen reduziert, jedoch sollen nur noch bis 60 Gäste mitfahren, die dadurch viel Platz auf dem Schiff haben. Das luxuriöse Schiff erhielt einen Standplatz beim St. Katharinental unterhalb von Diessenhofen. So blieb die «Kreuzlingen» in der Region, ohne die Schifffahrtsgesellschaft zu konkurrenzieren.
…und später nach Ermatingen
Im Jahr 2021 wird das Schiff von der Stedi-Schiff GmbH übernommen, welches mit dem MS Kreuzlingen weiterhin Sonderfahrten anbietet und das Schiff zudem als Restaurant in Ermatingen betreibt.