Durch den Verkauf des Tragflügelbootes Albatros werden Gelder frei, die einen Kauf eines neuen Schiffes zulassen. Die CGN lässt bei der Schiffswerft Linz an der Donau ein Zweideckschiff bauen, das 46.10 Meter lang und 8.40 Meter breit (jeweils über alles) ist. Die beiden General-Motors-Schnellläufer-Dieselmotoren haben eine Leistung von je 340 PS. Das neue Schiff erhält den Namen Chablais und kann 560 Personen befördern.
Das Chablais (vom lateinischen caput lacus «Haupt des [Genfer]sees») wird das Gebiet südlich des Genfersees bezeichnet. Der grössere westliche Teil – das Seeufer um die Städte Thonon-les-Bains und Évian-les-Bains sowie das Einzugsgebiet des Flusses Dranse – gehört zum französischen Département Haute-Savoie. Der von der Rhône durchflossene schweizerische Anteil setzt sich aus dem Walliser Bezirk Monthey und dem Waadtländer Bezirk Aigle zusammen.
Die Silhouette der «Chablais» ist gewohnheitsbedürftig und doch wird das Schiff auf einem Jugend-Billett gewürdigt. Der Einstieg befindet sich auf dem freien Deck am Bug. Somit konnte der dahinterliegende Salon grösser gestaltet werden. Der eher schwülstig eingerichtete Salon war mit Bänken ausgerüstet, die einen dunkelbraunen (Kunst-) Lederüberzug hatten. Wenn man mit kurzen Hosen unterwegs war, klebte man auf diesem «Polster» (ähnlich wie damals in den Einheitswagen der SBB). Ja, der Zeitgeist war halt früher anders…
Glacé-Schiff
Mit den grösseren finanziellen Problemen mit der die CGN um den Jahrtausendwechsel herum kämpfte, kam man auch auf aussergewöhnliche Ideen. Ab 2001 kam das MS Chablais mit einem Werbeanstrich daher: Die Grundfarbe wechselte auf Blau, auf dem Dach und auf den Aufbauten warb das Schiff als «Dessert-Liner» für Glacé der Marke «Frisco». Meine Erinnerung dazu ist, dass die gewünschte Glacé scheinbar immer ausverkauft war. Scheinbar war das Choco-Cornet war in jener Zeit ein Renner und jedes Mal, wenn ich dazu Lust verspürte, war keines vorhanden… (auch auf anderen Seen tauchten plötzliche solche «Liner» auf.)
Ausser Dienst
Diese Werbung trug die «Chablais» bis zu ihrem plötzlichen Ende im Jahre 2010. Einer der Hauptmotoren erlitt in diesem Jahr einen Schaden, den man nicht mehr beheben wollte. Die «Chablais» wurde schliesslich im Rhône-Delta bei Le Bouveret abgebrochen. Die «Chablais» war während ihrer Betriebszeit ein «stiller Chrampfer» und wurde auf allen Seeteilen eingesetzt.
In der Ausgabe 1/11 der Dampferzeitung erschien ein Artikel über die Ausserdienststellung der «Chablais». Diese Ausgabe ist im Printformat für 5 Franken (zuzüglich Verpackung und Porto).