Die Fahrzeugkolonnen und die Wartezeiten an den Landungsanlagen von Horgen und Meilen wurden vor allem zu den Spitzenzeiten morgens und abends immer länger. Dies führte zu Rückstaus auf den Strassen in den Anliegergemeinden und zu grossem Unmut in der Bevölkerung. Abhilfe konnte da nur ein 10-Minuten-Takt schaffen. 1987 machte sich der Verwaltungsrat der Fähre Horgen-Meilen AG (FHM) erste Gedanken zum Bau einer weiteren Fähre. 1988 überreichte die Bodan-Werft in Kressbronn der Fähren-Gesellschaft einen ersten Entwurf für ein neues Schiff. Am 26. Mai 1989 bewilligte die Aktionärsversammlung der FHM mit grosser Mehrheit den Kredit von 6,17 Millionen Franken für den Bau eines neuen Fährschiffs. Wie bei den Vorgänger-Fähren wurden die vorgefertigten neun
Sektionen auf zwei Lastschiffe verladen und von Kressbronn nach Romanshorn überführt. Von dort aus ging es per Last wagen nach Zürich Wollishofen in die ZSG-Werft.
Am 21. August 1990 trafen die Teile in Zürich ein, mit dem Zusammenschweissen wurde sofort begonnen. Am Freitag, 26. Oktober 1990 war das Schiff so weit fertiggestellt, dass es ins Nass des Zürichsees gelassen werden konnte. Die Arbeiter der Bodan-Werft wehrten sich mit Erfolg gegen dieses Ansinnen, denn nach altem Seemannsglauben darf ein Schiff niemals an einem Freitag gewassert werden. So wurde die Fähre erst am folgenden Montag in den Zürichsee gelassen. Nachdem das Schiff nach Horgen überführt wurde, konnten die restlichen Arbeiten im Heimathafen an die Hand genommen werden.
Am 16. Mai 1991 wurde das neue Fährschiff von Rosemarie Huber, Ehefrau des damaligen Geschäftsführers, mit einer Flasche Meilener Räuschling auf den Namen Horgen getauft. Der 10-Minuten-Takt zwischen Horgen und Meilen konnte erst nach Abschluss der Sanierungsarbeiten am Fährschiff Schwan eingeführt werden.
Das Fährschiff ist 47,50 Meter lang und 13,00 Meter breit (jeweils über alles). Die MTU-Motoren leisten 900 PS auf zwei Voith-Schneider-Propeller. Es können 40 Autos und 300 Personen befördert werden.