Das von Escher Wyss gebaute Dampfschiff Unterwalden nimmt am 15. Mai 1902, anlässlich der offiziellen Probefahrt, den Betrieb auf. Der Salondampfer ist 61,10 Meter lang und 13,60 Meter breit (jeweils über alles). Die schrägliegende 2-Zylinder-Heissdampf-Verbundanlage leistet 650 PSi. Die Dampfmaschine der «Unterwalden» wurde an der Weltausstellung im Jahr 1900 in Paris dem Publikum präsentiert. 850 Personen finden auf dem Schiff Platz.
Im Laufe der Zeit
Um 1920 erhielt die «Unterwalden» ein geschlossenes Steuerhaus. Bei einer Hauptrevision 1942 wurde die zulässige Tragkraft von ursprünglich 850 auf 900 Personen erhöht und 1949 erfolgte ein Umbau von Kohle- auf Schwerölfeuerung.
Ein grosser Umbau, der das Erscheinungsbild der «Unterwalden» stark veränderte, wurde 1961 vorgenommen. Ziel war es, wie bei der gleichzeitig umgebauten «Uri», ein Unterfahren der neuen Acheregg-Brücken bei Stansstad zu ermöglichen, um in den Alpnachersee zu gelangen. Zusammen mit dem neuen, versenkbaren Steuerhaus, einem Teleskopkamin und Teleskopmasten wurde auf dem Oberdeck ein Schutzdach aus Aluminium errichtet.
Das Aus?
In den 1960er und 1970er Jahren verfolgte die Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) den Kurs, ihre Dampfschiffe nach und nach auszurangieren und durch Motorschiffe zu ersetzen. So sollte die «Unterwalden» Mitte der 1970er Jahre ebenfalls durch ein Motorschiff ersetzt werden; 1976 erfolgte der Stapellauf und die Inbetriebnahme des gleichnamigen Motorschiffs, der heutigen «Europa». Dies führte in der Luzerner Bevölkerung zu einem «Aufschrei der Empörung», zu einer Volksbewegung für den Erhalt der Dampfschiffe und zu Aktionen des bereits einige Jahre zuvor gegründeten Vereins der Dampferfreunde.
Der Raddampfer Unterwalden war seit 1977 stillgelegt, jedoch beschloss die SGV 1978 seine Erhaltung, nachdem 1977 nach einer Aktienkapitalerhöhung auch Vertreter der Dampferfreunde in den Verwaltungsrat gewählt worden waren. 1982 wurde die Sanierung des Schiffes beschlossen.
Erste grosse Sanierung
Nach einer Totalerneuerung konnte die Unterwalden 1985 zu ihrer zweiten Jungfernfahrt starten. Das äussere Erscheinungsbild blieb dabei weiterhin vom Umbau von 1961 geprägt. Auf dem hinteren Oberdeck wurde ein Panoramarestaurant aufgebaut. Die «Unterwalden» erhielt sofort die grossen Hauptkurse nach Flüelen.
Zweite grosse Sanierung
Ende der 2000er Jahre drängte sich eine weitere Generalrevision auf, die 2008 begann und im Frühling 2011 abgeschlossen wurde. Die Kosten betrugen rund zehn Millionen Franken. Der Dampfer wurde nun äusserlich in den Zustand vor 1961 zurückversetzt, wobei ein Unterfahren der Achereggbrücken, die sogenannte «Alpnachgängigkeit», weiterhin möglich blieb, was besonders die Konstruktion von versenkbarem Kamin und Steuerhaus gemäss dem Erscheinungsbild der originalen, nicht versenkbaren Elemente erschwerte. Ein geplanter Umbau von Öl- auf Gasfeuerung erwies sich aufgrund der Gesetzeslage als nicht möglich. Die beiden alten Dampfkessel wurden durch einen einzelnen neuen Kessel ersetzt. Für den Elektrizitätsbedarf wurde ein Diesel-Generator statt des bisherigen Dampfturbinengenerators gewählt, dies erstmals auf einem Dampfschiff des Vierwaldstättersees. Am 7. Mai 2011 wurde die sanierte «Unterwalden» mit einer Dampferparade eingeweiht.
Denkmalschutz
Sie ist das erste Dampfschiff auf dem Vierwaldstättersee, das vom Kanton Luzern als gesamtes Schiff unter Denkmalschutz gestellt wurde. Sie darf damit wie alle unter Denkmalschutz gestellten Objekte «ohne Bewilligung des Bildungs- und Kulturdepartements weder renoviert, verändert, beseitigt noch sonst wie in ihrer Wirkung beeinträchtigt werden».
Ausstattung
Der Salon der 1. Klasse wurde, wie schon der Salon der «Uri» von der Firma Filippo Cassina aus Mailand gestaltet. Er ist im Stil des Neu-Rokoko gehalten und weist einen Parkettboden mit aufwändigen Intarsien sowie geätzte Glastüren auf.
Promiente Gäste
Prominente Fahrgäste auf der «Unterwalden» waren 1946 Sir Winston Churchill, im Frühling 1986 der finnische Staatspräsident Mauno Koivisto zusammen mit Bundespräsident Alphons Egli anlässlich eines Staatsbesuchs und 1987 König Hussein von Jordanien mit seiner Frau Nūr. 2013 besuchte mit Sauli Niinistö erneut ein finnischer Staatspräsident die «Unterwalden», zusammen mit Bundespräsident Ueli Maurer.
Zwischenfälle
Am 30. Oktober 1923 strandete die «Unterwalden» bei Beckenried durch ein Versehen des Steuermanns. Menschen kamen dabei keine zu Schaden, jedoch zogen sich die notwendigen Reparaturarbeiten bis ins Jahr 1924 hin.
Am 13. Februar 1956 fuhr das Schiff bei Kehrsiten in dichtem Nebel in eine Mauer der Uferböschung und grub sich sieben Meter ins Land. Trotzdem erwies sich der Schaden, als gering und das Schiff stand bald wieder im Einsatz.
Einsatz
Bis heute ist der Dampfer während der Saison von Mai bis im Oktober im Einsatz.