Als Ersatz für die 1853 in Betrieb genommene «St. Gallen» (I), liefern im Herbst 1897 die Gebr. Sulzer, Winterthur, für 268’000 Franken ein neues Halbsalonboot an die Nordostbahn (NOB) in Romanshorn. Am 10. November 1897 nimmt die «St. Gotthard» den Betrieb auf. Gebaut von Sulzer in Winterthur leistet die schrägliegende 2-Zylinder-Nassdampfmaschine 500 PSi. Der Dampfer hat eine Länge von 53.00 Meter und eine Breite von 12.55 Meter (jeweils über alles) und kann 600 Personen befördern.
Rundgang
Die Schreinerarbeiten wurden an die Winterthurer Firma C. Gilg-Steiner vergeben, welche später auch den Vierwaldstättersee-Dampfer Schiller ausgebaut hat. Die aus Stahlblech konstruierte Schiffsschale wird durch fünf wasserdichte Wände in sechs Räume unterteilt. Unter dem Hauptdeck vorne beim Bug befindet sich der Matrosenraum mit vier Betten, gefolgt von der Kajüte 2. Klasse mit lackiertem Täfer aus hellem Holz.
Zur Schiffsmitte hin sind seitlich zum Treppenaufgang eine Kabine für die Maschinisten und ein Requisitenraum eingebaut. In der Schiffsmitte befinden sich eine 2-Zylinder-Nassdampf-Verbundmaschine und zwei Dampfkessel, gefolgt vom Erstklass-Salon, der zur Hälfte in die Schale versenkt ist. Der darunter liegende Raum wird nicht genutzt.
Im Heck befindet sich noch ein weiterer Requisitenraum. Auf dem Hauptdeck sind in der Rondelle Bänke für die Fahrgäste der 2. Klasse aufgestellt. In den Radkasten sind neben Räumen für den Kapitän, Steuermann und Kassier Küche und Toilettenanlagen eingebaut. Auf dem Salon- und Oberdeck sowie auf dem vorderen Hauptdeck können Schatten spendende Zelte aufgezogen werden. Die Ausstattung des Erstklass-Salons ist im Stile von Louis XV. gehalten. Die Rahmen des Täfers sind aus rotem Sandelholz, verziert mit Schnitzereien. Die Füllungen der Intarsien sind aus weissem Ahorn. Ringsum verlaufen Sofas mit blauem Plüschüberzug.
Beim Treppenaufgang zum Hauptdeck befindet sich auf der einen Seite eine Raucherkabine, deren Sitze mit Leder überzogen sind. Auf der anderen Seite liegt eine helle, im Empire Stil erbaute Damenkabine, deren Sofas mit rotem Plüschüberzug versehen sind. Alle Räume werden durch 46 Glühlampen erleuchtet. Den nötigen Strom liefert ein im Maschinenraum aufgestellter Dampfdynamo mit Lavalturbine.
Havarien
Der Dampfer hat mehrmals Grundberührung und erleidet verschiedene kleinere Havarien, was auf strenge Einsätze schliessen lässt. Ende 1904 wird ein eiserner Mast mit Rah für die Signalbeleuchtung montiert.
Ausser Dienst und Abbruch
Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges erzwingt 1940 die Stilllegung der fahrtüchtigen «St. Gotthard“, der Abbruch folgt im Herbst 1943. Ein Teil der Bleche werden in der Zentralwerkstätte der SBB in Olten weiterverwendet. In relativ kurzer Zeit hat der Raddampfer über 1,15 Mio. Kilometer zurückgelegt.