In der Region um Wädenswil war man mit dem Verkehrsangebot der Nordostbahn (NOB) sowohl auf der Schiene als auch auf dem Wasser unzufrieden. Es bildete sich ein Komitee für die Gründung einer Dampfbootgesellschaft in Wädenswil, das am 23. Oktober 1893 eine Vereinbarung mit der Nordostbahn (NOB) abschloss.
Nordostbahn
Darin verpflichtete sich die NOB für den Fall, dass die Dampfschiffverbindung nach Zürich zustande kommt, die Verwaltung und Betriebsführung zu Selbstkosten während den ersten drei Betriebsjahren zu übernehmen. Am 23. Juni 1895 kam der von Escher Wyss & Cie. erbaute Doppelschraubendampfer Wädenswil in Betrieb. Die Gesellschaft hatte erhebliche Anlaufschwierigkeiten finanzieller und betrieblicher Art.
Dampfbootgesellschaft Wädenswil
Es fehlte ein Ersatzschiff und an schönen Sonntagen musste ein Schiff zugemietet werden. Die Dampfbootgesellschaft Wädenswil nimmt dann 1897 ihren zweiten Schraubendampfer, die «Speer» (I), in Betrieb. Sie hat eine Länge von 33.5 Meter und eine Breite von 5.9 Meter (jeweils über alles). Die vertikale Nassdampf-Triplex-Maschine hat eine Leistung von 175 PSi. Der Dampfer kann 180 Personen befördern.
Übernahme
Doch der finanzielle Erfolg blieb aus. Die Zürcher Dampfbootgesellschaft (ZDG) übernahm im Frühling 1900 die beiden Schraubendampfer zu günstigen Konditionen. Damit die «Speer» an allen Landestegen der Dampfschwalben-Gesellschaft anlegen konnte, erhielt sie eine breitere Galerie. Im ersten vollen Betriebsjahr bei der ZDG legte das Dampfschiff 23’756 Kilometer zurück.
Rationalisierung
Wie bei anderen Zürichsee-Schiffen versuchte die Betriebsleitung die Besatzung des Dampfers zu reduzieren. Ursprünglich waren sechs Mann gefordert, ab dem Jahr 1903 genügten fünf Personen. 1935 erlaubte die Aufsichtsbehörde mit vier Mann an Bord zu fahren.
Mann über Bord
Am 8. August 1923, endete eine Extrafahrt tragisch. Eine Kompanie der Infanterie-Rekrutenschule hatte das Schiff für eine Fahrt von Zürich nach Männedorf und zurück für ihren Kompanieabend gemietet. Bei der Rückfahrt kurz vor Mitternacht fiel zehn Minuten nach der Abfahrt ein Korporal ins Wasser. Er hatte im Heck des Schiffes das Geländer überstiegen und stürzte von der Galerie. Nach dem Ruf «Mann über Bord» wendete der Schiffsführer die «Speer» (I). Bis die Unglücksstelle erreicht wurde dauert es einige Minuten, zu lange für den Unteroffizier, der nicht schwimmen konnte.
Havarie
Am 20. Oktober 1935 kam der Dampfer bei einbrechender Nacht bei der Anfahrt zum Landessteg Bürkliplatz in Zürich vom Kurs ab und rammte eine verankerte Segelyacht. Es gab nur Sachschaden. Der Schiffsführer – trotz zehnjähriger Erfahrung – durfte fortan nur noch als Matrose und Untersteuermann auf grösseren Schiffen arbeiten.
Ausser Dienst
1946 teilt die ZDG dem Eidg. Amt für Verkehr in Bern mit, dass das Schiff Speer endgültig aus dem Dienst zurückgezogen worden sei. Kessel und Dampfmaschine wurden verschrottet und die Schiffsschale an eine Privatperson verkauft. Lesen Sie hier weiter!