DS Simplon (III) – Lac Léman

Das Dampfschiff Simplon macht sich bereit für die Jungfernfahrt am 23. Juni 1920.(Sammlung Musée du Léman, Nyon)
Das Dampfschiff Simplon macht sich bereit für die Jungfernfahrt am 23. Juni 1920.
(Sammlung Musée du Léman, Nyon)

Die Gebr. Sulzer aus Winterthur planen und bauen ein Schwesterschiff des Raddampfers La Suisse. Erstmals seit vielen Jahren werden die Kessel wieder hinter der Maschine platziert, dies bringt den Zweitklass-Passagieren mehr Platz. Das «Simplon» genannte Schiff ist 73.80 Meter lang und 15.90 Meter breit (jeweils über alles). Die schrägliegende 2-Zylinder-Heissdampfverbund-Maschine leistet bei Höchstgeschwindigkeit 1’400 PSi. Es können 1’600 Personen transportiert werden.

 

Einstellung der Arbeiten

Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges beginnt man mit den Bauarbeiten. Diese werden jedoch fünf Tage später wieder eingestellt. 1915 werden Kessel und Maschine eingebaut, danach ruhen die Arbeiten. Nach und nach kann der Dampfer fertiggestellt werden, so dass am 23. Juni 1920 die erste Probefahrt stattfinden kann und nachher die «Simplon» definitiv dem kommerziellen Einsatz übergeben werden kann.

 

Der Erstklass-Salon

Im Gegensatz der kunsthistorisch bemerkenswerten Vierwaldstättersee-Dampfersalons, die sich stilistisch stark voneinander unterscheiden, weisen die Erstklass-Innenräume der Genfersee-Radschiffe einheitliche Stilelemente auf (Ausnahme: MS Italie hat ein Neo-Empire-Interieur).

 

Der neoklassizistische Salon der «Simplon» ist mit dem an Louis XVI erinnernden Originalmobiliar bestückt. Eine grosszügige Anrichte im Neo-Renaissance-Stil mit auffälligem Rollwerkfries auf Schubladenhöhe und einer Art Etagère aus vier aufeinander gesetzten Tablaren für die Gläseraufbewahrung befinden sich auf der Backbordseite des Eingangs. Die grossflächigen Ahornpaneels weisen sensible Intarsien aus Robinien-, Zwetschgen- und weiteren kontrastierenden Hölzern auf, wobei die Proportion des «Blumenkörbchen-Motivs» zur übrigen Täferfüllungsfläche raffinierter gelöst ist als beim allzu «in der Luft schwebenden» Blumenkranz auf DS La Suisse. Bestechend beim «Simplon»-Salon ist die Anordnung des Spiegels im intimeren Teil des Innenraumes: zwei kannelierte Säulen mit «Kompositkapitellen», die den Architraven mit vereinfachtem Eierstab stützen, bilden die Umrahmung der oben abgebildeten Glasfläche.

 

Schwerölfeuerung und Umbauten

Als erstes Schiff der Genfersee-Flotte erhält im Winter 1958/1959 der Raddampfer eine Schwerölfeuerung. Doch bereits 1965 muss das Schiff, infolge des schlechten Zustands der Kessel, ausser Dienst genommen werden. Diese werden durch Fabrikate der Firma Wehrle ersetzt. Ab 1968 ist die «Simplon» wieder, mit ihrem Heimathafen Genf, wieder im Einsatz. Ab den 1980er Jahren hat die «Simplon» keine feste Kurszuteilung mehr, es dient als Reserveschiff ab Lausanne. «Es ist zu teuer, ein so grosses Schiff zu betreiben» ist aus den Chefetagen zu hören. Vielleicht ist auch darum die «Simplon» das Lieblingsschiff vieler Dampferfans, weil sie in den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts nur spärlich eingesetzt wird (ein ähnliches «Schicksal» erlebt ja die «Gallia»…).

 

Havarie (n)

Am 18. August 2003 erleidet die «Simplon» im Genfer Hafen schwere Schäden im Kesselraum, eine Stilllegung des Dampfers war die Folge. Die Dampferfreunde (ABVL) reagieren und starten ihre erste grosse Spendenaktion unter dem Titel «Sauvons le Simplon». In 18 Monaten werden fast 2 Mio. Franken gesammelt. Die CGN beteiligte sich an dieser Rettungsaktion mit einem Betrag in gleicher Höhe und führt ab Mai 2004 eine Reihe von Arbeiten durch. All diese Arbeiten ermöglichten es, das Schiff im Juli 2005 wieder in Betrieb zu nehmen. Die Rede ist von der ersten Teilrenovierung eines historischen Dampfers.

 

Im Jahr 2008 werden Risse an beiden Kolben der Maschine gefunden, Ende August 2009 muss die «Simplon» stillgelegt werden. Es wird wiederum die (finanzielle) Hilfe der ABVL benötigt. Die Arbeiten bestehen hauptsächlich aus einer kompletten Überholung der Dampfmaschine.

 

Der Raddampfer Simplon erlitt bei einer Probefahrt am Donnerstag, 28. März 2024, einen Maschinenschaden. Das Abschleppen zur Werft konnte wegen starker Winde nicht erfolgen. Das zur Hilfe geeilte MS Ville-de-Genève konnte die «Simplon» nicht abschleppen, es kollidierte sogar mit dem Havaristen. So wurde die «Simplon» an der Anlegestelle von Cully abgestellt. Durch aufkommenden Sturmwind («Vaudaire»), der das Schiff an die Station peitschte, entstanden sehr grosse Schäden. Die Rückführung in die Werft erfolgte am Samstag, 30. März 2024. In einem Pressecommuniqué bedankt sich die CGN noch einmal für die wichtige Zusammenarbeit zwischen der Feuerwehr, der Polizei, den Rettungsdiensten, den verschiedenen Einsatzkräften und den CGN-Mitarbeitern in der Nacht zum Freitag, den 29. März und an den folgenden Tagen. Das DS Simplon wartet nun in der Werft der CGN auf eine genaue Untersuchung der Schäden.

 

Ausblick

Zurzeit wird von den Verantwortlichen abgeklärt, wie es mit dem DS Simplon weitergeht. Beschlossen ist, dass die «Simplon» eine Generalsanierung erhält, die Planungen laufen ab dem Frühjahr 2025.

 

In der Ausgabe 201 der Dampferzeitung erschien ein Artikel 100 Jahre DS Simplon.

 

Bericht des Musée du Léman in Nyon über das 100jährige DS Simplon.

 

Bericht der Untersuchungskommission (SUST) über de Havarie des Dampfers Simplon im Jahr 2003.

 

Bericht der externen Untersuchungskommission über die Havarie des Dampfers Simplon im Jahr 2024.