Bereits ab 1860 verkehrte ein Schiff mit dem Namen Simplon (I) auf dem Lac Léman. Betrieben wurde der Dampfer bis 1879 von der «Ligne d’Italie». Ausser Dienst gestellt übernahm die CGN das Schiff und baute es in einen Stationsponton um, der bis 1935 in Genf an der Anlegestelle Jardin-Anglais im Dienst stand.
Zwei Schwestern
1877 bestellte die CGN zwei baugleiche Raddampfer bei Escher Wyss. Die beiden Schwesterschiffe Jura und Simplon (II) waren für den lokalen Dienst bestimmt und wurden 1879 von Escher Wyss & Cie. abgeliefert. Der Zusammenbau des Halbsalon-Dampfers Simplon (II) erfolgte in Morges. Die Probefahrt konnte am 28. Oktober durchgeführt werden und acht Tage später übernahm die CGN den Flottenneuling.
Das Schiff war 41,30 Meter lang und 10.50 Meter breit. Angetrieben von einer stehenden oszillierenden Zwei-Zylinder Nassdampfmaschine erreichte die «Simplon» eine Geschwindigkeit von 22 km/h. Die Tragkraft lag bei 400 Passagieren und nötig war eine Besatzung von mindestens acht Mann.
Rost
Nach der Dampfdomexplosion auf dem Dampfschiff Mont-Blanc (II) wurde 1894 bemerkt, dass die beiden Kessel der «Simplon» starke Rostschäden hatten. Nach der Reparatur wurden die Kessel höher eingebaut, da sie zuvor zu tief in der Schiffsschale lagen.
Am 11. September 1894 wurde der Hochdruckzylinder während der Fahrt beschädigt. Er konnte provisorisch repariert werden und zugleich bestellte man einen neuen Zylinder, der bereits im Dezember eingebaut werden konnte.
Strenge Einsätze
Die «Simplon» stand im strengen Dienst und legte zum Beispiel im Jahr 1896 60’681 Kilometer, resp. im Jahr 1897 61’512 Kilometer zurück.
Umbauten
1899 bekam der Dampfer ein Dach zwischen den Radkästen. Vorne wurde das Schiff mit einer verglasten Rotonde abgeschlossen und damit der Komfort für die Passagiere wesentlich verbessert. 1902/03 wurde der Raddampfer um 3 Meter verlängert und um 20 Centimeter verbreitert und er erhielt zwei neue Kessel von Sulzer, Winterthur.
Nebelfahrt
Am 3. März 1907 kam das Dampfschiff im dichten Nebel vom Kurs ab und fuhr bei La Belotte im Genfer Seebecken auf Grund. Es gelang, die «Simplon» wieder flott zu machen, aber einige Meter weiter blieb sie wieder stecken und konnte erst gegen Mittag durch die «Bonivard» wieder frei gezogen werden. Mit den wenigen Passagieren konnte die «Simplon» ihren Kurs fortsetzen.
Ausser Dienst
Im Juli 1914 kam der Raddampfer kriegsbedingt ausser Dienst.
Namenswechsel
Seinen Namen musste er an den ab 1915 im Bau befindlichen grossen Raddampfer abgeben. Der kleine Dampfer wurde auf Guillaume Tell umgetauft. Der Namenstausch wäre nicht mehr nötig gewesen, denn 1917 wurde das Schiff verschrottet und die heute noch verkehrende «Simplon» kam erst 1920 in Fahrt.