DS Rhône (III) – Lac Léman

In ihrem zweiten Betriebsjahr (1928) trifft die «Rhône» in Genf ein.(Archiv Kurt Hunziker)
In ihrem zweiten Betriebsjahr (1928) trifft die «Rhône» in Genf ein.
(Archiv Kurt Hunziker)

Die Gebr. Sulzer erhalten den Auftrag für ein neues Dampfschiff für den Lac Léman. Dieses soll den Raddampfer Bonivard ersetzen, der am 17. März 1925 völlig ausbrannte und nicht wieder aufgebaut werden kann. Die neue Einheit erhält den Namen Rhône und wird, noch nicht ganz fertig gestellt, 1927 für das Winzerfest in Vevey erstmals eingesetzt. Die «Rhône» ist 65,50 Meter lang und 14,30 Meter breit (jeweils über alles) und besitzt eine schrägliegende 2-Zylinder-Heissdampfverbundanlage mit hydraulischer Steuerung (Leistung 850 PSi). Der Dampfer kann 1’100 Personen mitnehmen.

 

Schwierige Inbetriebnahme

Die besorgniserregenden Erkenntnisse aus den Probefahrten und wiederholter Schwierigkeiten bei der Maschinenanlage während der provisorischen Inbetriebnahme zwingen die CGN, vom Konstrukteur Nachbesserungsarbeiten zu verlangen. Im Winter 1927/28 werden die letzten Feinarbeiten getätigt. Nach verschiedenen Ausbesserungsarbeiten an der Maschine und am Kondensator, kann die «Rhône» im Frühling 1928 endlich definitiv in den Kursbetrieb genommen werden.

 

Salon

Der im neoklassischen Stil gehaltene Erstklass-Salon ist grösstenteils inspiriert vom Schaffen des Möbeldesigner Henry Bobaing, der bereits den Salon des Dampfschiffes Simplon (III) ausgestattet hat. Allerdings wird die Ausführung der Arbeiten im Salon der «Rhône» aus wirtschaftlichen Gründen in Kirschbaumholz ausgeführt. Den Innenausbau und das Mobiliar realisiert ein Konsortium spezialisierter Handwerker zusammen mit einer auf Intarsienarbeiten spezialisierten Zürcher Firma.

 

Im Laufe der Zeit

Während des Zweiten Weltkrieges ist die «Rhône» stillgelegt.

 

1959/60 erhalten die Kessel eine Schwerölfeuerung. Wegen des schlechten Zustands der Kessel wird der Dampfer Ende 1967 stillgelegt.

 

Es folgt 1968/69 ein grosser Umbau nach dem Vorbild der «Savoie» und der «Simplon» (neue Kessel von Siller & Jamart aus Wuppertal, für den Strom zeichnen Dampfmotoren der Firma Spilling aus Hamburg verantwortlich).

 

Nach der Wiederinbetriebnahme im Jahr 1969 übernimmt der Dampfer die Kurse 44/48-15-58-37 (Mittagsrundfahrt Genf ab 11.30 Uhr in Richtung Versoix, Genf an 13.40 Uhr und Genf ab 14.30 Uhr nach Yvoire und Nyon, Genf an 17.45 Uhr).

 

Abends, bis im Jahr 1974, wird die «Rhône» am Quai zum (stehenden) chinesischen Restaurant.

 

Erinnerung

Heute fast selbstverständlich, aber in den damaligen Jahren im wahrsten Sinne des Wortes exotisch, war ein Essen in einem chinesischen Restaurant. Anlässlich eines Besuches des Fussball-Meisterschaftsspiels Servette FC gegen den FC Luzern, noch im alten Charmilles-Stadion, überredete ich meinen Vater zu einem Essen auf der «Rhône». Zuerst war er etwas widerwillig, aber dennoch genossen wir schliesslich die Ente und das süsssaure Schweinefleisch. Übrigens der FC Luzern spielte unentschieden 2:2.

 

Generalrevision

Nach harten Einsätzen über den ganzen See machten sich am Schiff Verschleisserscheinungen bemerkbar. Es wurde eine Generalüberholung beschlossen, welche im Mai 2019 begonnen wurde. Diese wurde hauptsächlich durch die drei Anrainerkantone (Waadt, Genf, Wallis = Hauptaktionäre der CGN) finanziert. Die Dampferfreunde (ABVL) haben sich mit 3,6 Mio. CHF und das Bundesamt für Kultur (BAK) mit 2,2 Mio. CHF daran beteiligt.

 

Seit der Wiederinbetriebnahme am 15. Februar 2022 zeigt sich das Schiff als wahres Bijou. Die Dampferfreunde des Lac Léman (ABVL) und die CGN haben die Wiederinbetriebnahme, trotz widriger Umstände (Corona, Personalmangel, Pannen) richtig zelebriert.

 

CGN

 

ABVL

 

In der Ausgabe 191 erschien ein lesenswerter Artikel über DS Rhône zu seinem 90. Geburtstag.