DS Rheinfall; ab 1871 DS Neptun – Untersee und Rhein

So wurde das Dampfschiff von Augenzeugen dargestellt. (Stadtarchiv Schaffhausen)
So wurde das Dampfschiff von Augenzeugen dargestellt.
(Stadtarchiv Schaffhausen)

Die «Rheinfall» wurde, als Schwesterschiff der ersten «Arenaberg», ausserhalb von Stein am Rhein von Escher Wyss & Cie. erbaut. Im April 1865 erfolgte der Stapellauf des Raddampfers und bereits am 15. Mai wurde er in Dienst gestellt, genau einen Monat nach der ersten Fahrt des Schwesterschiffes. Der Glattdeck-Dampfer ist 41.00 Meter lang (über Deck) und ca. 8.00 Meter breit (über alles). Die schrägliegende 2-Zylinder-Nassdampf-Verbundmaschine leistet 120 PSi. Die «Rheinfall» kann 250 Personen befördern.

 

Explosion

Am Nachmittag des 20. Dezember 1869 explodierte der Kessel der «Rheinfall» bei der Abfahrt in Berlingen. Im hinteren Teil des Rumpfes strömte sofort viel Wasser ein und das Schiff begann achtern zu sinken. Dadurch wurde der Vorderteil leicht angehoben und die Passagiere in der Zweitklass-Kajüte konnten auf das Vordeck steigen. Bald versank auch dieser Teil des Schiffes und die Fahrgäste und ein Teil der Besatzung mussten sich schwimmend retten oder sich mindestens an Trümmerteilen festklammern, bis die Rettung nahte.

 

Als letzte verliessen der Schiffswirt und der Kapitän das Schiff. Das ganze Drama spielte sich innert zehn Minuten ab. Einerseits war es ein Glück, dass in der Winterszeit das Schiff nicht allzu stark besetzt war, andererseits dürfte das Wasser sehr kalt gewesen sein. Der Unfall kostete vier Passagieren und dem Steuermann das Leben. 22 Fahrgäste und der Rest der Besatzung überlebten das Unglück. Die Ursache der Explosion konnte nicht genau geklärt werden. Vermutlich war zu wenig Wasser im Kessel und eine schnelle Zufuhr von Speisewasser führte zur Explosion.

 

Wiederinbetriebnahme mit neuem Namen

Im April 1870 konnte das Schiff gehoben werden. Sulzer reparierte die beschädigten Teile, revidierte die brauchbaren Stücke und baute einen neuen Kessel ein. 1871 kam der Dampfer unter dem Namen Neptun wieder in Fahrt.

 

1881 wird die Maschine erneuert und grosse Teile des Holzbaues ersetzt, analog dem Schwesterschiff Arenaberg. Zwei Jahre später wurde auf der «Neptun» eine elektrische Beleuchtung eingebaut und 1893 der Steuerstand überdacht.

 

Schon wieder Pech

In der Nacht vom 23. auf den 24. März 1922 sank das Dampfboot in der Werft von Konstanz. Als Ursache wurde festgestellt, dass ein Arbeitsfloss ein Loch in den Schiffsrumpf geschlagen hatte. Drei Wochen später konnte die «Neptun» unter grossen Anstrengungen gehoben werden.

 

Das Pech blieb dem Dampfer haften, so fuhr er am 18. September 1922 bei Steckborn auf einen für die Mannschaft unbekannten Pfahlstumpen, wodurch ein Rad beschädigt wurde.

 

Nur drei Monate später erlitt die Maschine, nach einem längeren Aufenthalt für eine Revision in der Werft Konstanz, auf seiner ersten Kursfahrt nach der Abfahrt in Gaienhofen eine Havarie. Das linke Kurbellager war nicht richtig befestigt worden.

 

Schlechter Zustand und Ausserdienststellung

Anfangs 1937 rügte das damalige Eidgenössische Amt für Verkehr (EAV) in Bern Mängel am Dampfschiff Neptun. Die Schifffahrtsgesellschaft wollte jedoch keine Investition am 72 Jahre alten Schiff mehr tätigen. Sie sicherte zu, dass mit dem Dampfer keine Extrafahrten gemacht werden und auch der Obersee nicht mehr befahren wird. Die «Neptun» sollte nur noch als Ersatzschiff an einigen Sonntagen in Betrieb kommen. 1938 hatte sie ihre letzten Einsätze und wurde bei Kriegsausbruch definitiv ausser Dienst gestellt.