DS Neuchâtel – Lac de Neuchâtel

Schön von der Backbordseite präsentiert sich die neue «Neuchâtel» dem Fotografen.(Werkbild Escher Wyss, 1912)
Schön von der Backbordseite präsentiert sich die neue «Neuchâtel» dem Fotografen.
(Werkbild Escher Wyss, 1912)

1911 bestellte die Société de Navigation sur les lacs de Neuchâtel et Morat SA bei Escher Wyss in Zürich zwei Halbsalondampfer. Bereits im Folgejahr lief am 9. Mai das neue Flaggschiff vom Stapel und wurde als «Neuchâtel» am 15. Juni 1912 in Fahrt genommen.

 

Mit einer Länge von 48,50 Meter und einer Breite von 11,00 Meter konnte der Dampfer 550 Passagiere mitnehmen. Für den Antrieb sorgte eine 2-Zylinder Heissdampf-Verbundmaschine mit einer Leistung von 350 PS. Ein Jahr später kam auch das Schwesterschiff Fribourg in Fahrt.

 

Einsatz

Beide Dampfer wurden stets zurückhaltend eingesetzt. In der Sommersaison halfen sie an Sonntagen den grossen Ansturm zu bewältigen. Ihr Fahrgebiet erstreckte sich nicht nur über den Neuenburg- und Murtensee, sondern durch den Zihlkanal erreichten sie auch den Bielersee.

 

Schwerölfeuerung

1949 wurde die «Neuchâtel» gründlich überholt. Nach weiteren fünf Jahren stellte man die Befeuerung des Dampfkessels auf Schweröl um. Dies im Gegensatz zur «Fribourg», welche bis zu ihrer Ausserdienststellung im Jahr 1965 die Kohlefeuerung beibehalten hat.

 

Ausser Dienst

Im Gegensatz zu den anderen Dampfschiffen kommt das Aus der «Neuchâtel» überraschend: Ende 1968 spricht der Kesselinspektor den Kessel ab. Trotz einem positiven technischen Gutachten des Werftchefs der CGN, Daniel Dubath, lehnt der Verwaltungsrat der LNM Investitionen für eine neue Kesselanlage ab.

 

Bereits 1969 verkehrte der Raddampfer nicht mehr, dies, obwohl kein Ersatzschiff vorhanden war und an Sonntagen der Fahrplan reduziert werden musste.

 

Verkauf

Das Schiff wird verkauft und für 1.5 Mio. Franken zu einem Restaurantschiff umgebaut; 1971 wird dieses eröffnet. 1977 war geplant, den Dampfer als Casino-Schiff in Basel auf dem Rhein zu verankern. Einsprachen verhinderten die Realisierung dieser Idee.

 

1999 steht die «Neuchâtel» zum Verkauf. Es folgen verschiedene Pächter, doch der Restaurantbetrieb kommt nicht mehr zum Laufen. Dieser schliesst am 31. Dezember 2006 für immer. Nach endlosen Verhandlungen und zahlreichen schlaflosen Nächten vieler Beteiligter, kann die «Neuchâtel» im Jahr 2007 vom Verein «Trivapor» für 600’000 Franken erworben werden. Die passende Maschine, eine schrägliegende Heissdampf-Verbundmaschine des Herstellers J.A. Maffei aus München, konnte bereits vorher gekauft werden.

 

Renovation und Wiederinbetriebnahme

Die Renovation des Schiffes wird der Shiptec AG, einer Tochterfirma der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV), übergeben. In einer provisorischen Werfthalle in Sugiez kann die «Neuchâtel» in Stand gestellt werden. Vom 2. bis 4. Mai 2014 wird das DS Neuchâtel festlich eingeweiht. Es wurden alle Stationen der drei Juraseen angefahren. Seit dem Sommer 2014 verkehrt die «Neuchâtel» mit grossem Erfolg wieder im Fahrplandienst.

 

Schiffsdienstbuch von 1912 bis 1958

 

In der Ausgabe 3/2006 der Dampferzeitung erschien ein Artikel über die Halbsalon-Dampfer Helvétie, Neuchâtel und Fribourg.

 

LNM