Der als Schwesternschiff zur Zürichsee-«Helvetia» gebaute Raddampfer läuft am 15. Mai 1875 vom Stapel. Die «Mont-Blanc» hat eine Länge von 65.10 Meter und eine Breite von 13.80 Meter (jeweils über alles). Die schrägliegende 2-Zylinder-Nassdampf-Verbundmaschine leistet 560 PSi, das Schiff kann 1’200 Personen mitnehmen.
Während die «Helvetia» auf dem Zürichsee in erster Linie die einheimische Bevölkerung mit sonntäglichen Rundfahrten erfreute, wurde die «Mont-Blanc» auf dem Genfersee bei den Gästen aus dem Ausland sehr beliebt. Es waren Touristen, welche die ersten Jahre der Belle Epoque am Lac Léman geniessen konnten.
Grosszügig
Auf dem ersten Salondampfer des Genfersees mussten die Gäste im Erstklass-Salon auf einer rundum an den Aussenwänden laufenden Bank mit davorstehenden Tischen Platz nehmen. Einige wenige Tische und Stühle befanden sich in der Mitte des Salons. Das Oberdeck erstreckte sich beinahe über das ganze Schiff. Schutz vor Sonne oder Regen bot ein Zeltdach. Aufbauten für die Passagiere waren auf diesem Promenadendeck keine vorhanden. Die Steuerleute waren auf einem luftigen Stand Wind und Wetter ausgesetzt.
Explosion
Auch 1892 wurde die «Mont Blanc» immer noch als schönstes und grösstes Schiff auf dem Genfersee bezeichnet. Es verliess am 9. Juli um neun Uhr am Morgen Genf, um den zugeteilten Schnellkurs nach Villeneuve auszuführen. Über die Stationen Nyon, Thonon und Evian-les-Bains erreichte der Dampfer um die Mittagszeit Lausanne-Ouchy. Nachdem viele Passagiere das Schiff verlassen hatten und die neuen Gäste bereits zugestiegen waren, musste noch Gepäck verladen werden.
Um etwa 12.10 Uhr ertönte ein Zischen und unmittelbar darauf ein sehr starker Knall. Gleichzeitig ergoss sich eine Wolke aus Dampf unter starkem Brausen in den Mittelteil des Schiffes. Der hintere Boden des Dampfdoms war weggebrochen, hatte sich von seiner Halterung getrennt und flog zusammen mit einem Stück seiner Ummantelung nach hinten durch das Schiff. Dabei durchschlug er den Boden des Salons der ersten Klasse, durchflog den Raum in der Mitte nach hinten in seiner ganzen Länge und zerstörte dabei die in der Mitte des Raumes befindlichen Tische und Säulen. Anschliessend durchbrach er hinten rechts die Salonwand und das Schwanzkleid und fiel in den See. Mehr über den Unfallhergang erfahren Sie hier. Die gedruckte Ausgabe der Ausgabe 4/11 der Dampferzeitung können Sie bequem bestellen.
Umbau und neuer Name
Die «Mont Blanc» blieb ansonsten intakt und konnte in den nahen Werfthafen geschleppt werden. Der Raddampfer wurde in der Folge umgebaut. Neue Kessel waren ja bereits bei Escher Wyss bestellt. Auf dem Oberdeck erstellte man neu eine Rauchkabine. Wie nach einem solch grossen Unglück üblich, erhielt das Schiff einen neuen Namen. Es kam als «La Suisse» (I) in Fahrt.
Und wieder ein neuer Name
1910 wurde es in «Evian» umgetauft, da ein neues Flaggschiff, die heutige «La Suisse» (II) auf den Lac Léman kam. Ab 1930 ist die «Evian» für den Reservedienst in Genf eingeteilt.
Abbruch
1939 wird der Abbruch der «Evian» beschlossen, welcher dann 1940 vollzogen wird.