DS Minerva – Zürichsee; ab 1848 DS Splügen auf dem Walensee; ab 1860 auf dem Zürichsee

Die «Minerva» verlässt ihren Heimathafen Zürich. (Baugeschichtliches Archiv Zürich)
Die «Minerva» verlässt ihren Heimathafen Zürich.
(Baugeschichtliches Archiv Zürich)

Die beiden Pioniere Franz Carl Caspar, Spediteur von Rorschach und Johann Jakob Lämmlin, Mechaniker von Schaffhausen, bestellen bei der Maschinenfabrik William Fairbairn in Manchester einen eisernen Raddampfer für den Zürichsee. Als Finanzier des ersten Zürcher Dampfschiffes hält sich der Fabrikant Caspar Escher vorerst noch im Hintergrund.

 

Transport mit Hindernissen
Das bestellte Schiff verlässt im Herbst 1834 die Fabrikhalle von Fairbairn. Es wird in Teile zerlegt und über Land nach Selby ans Ufer des Flusses Ouse transportiert und dort zusammengebaut. Anschliessend überführt man es, noch ohne Dampfantrieb, über den Fluss Humber in das Städtchen Hull, wo der Dampfer fertig ausgerüstet wird. Getauft wird das Schiff auf den Namen Vulkan. Am 7. November 1834 absolvierte es die erste Probefahrt.

 

Herbstliche Stürme verzögern die Überfahrt nach Rotterdam, wo die «Vulkan» schliesslich am 15. November 1834 einläuft. Die Weiterfahrt rheinaufwärts wird aber erst gestattet, nachdem ein Obolus entrichtet worden ist. Der Strom führt wenig Wasser und nur mit knapper Not schafft es der Dampfer am 24. November 1834 bis nach Köln. Um die Weiterfahrt zu ermöglichen, muss die Fracht dort ausgeladen werden. Fünf Tage später kommt man nach Koblenz. Doch bereits kurz vor Mainz erleidet die Steuermaschine eine Havarie und die «Vulkan» muss vom Dampfer Stadt Frankfurt abgeschleppt werden. Nach der Reparatur und weiteren Zwischenstationen erreichte man am 12. Dezember Kehl. Da der Rhein, bis Basel noch nicht kanalisiert ist, stellt sich die Frage, ob das Schiff für den Weitertransport nicht besser auszuwassern wäre. Der Pegel des Flusses steigt jedoch an.

 

Endlich in der Schweiz
Am 23. Februar 1835 fährt der Raddampfer schliesslich in Basel ein. Bei der Einmündung des Flüsschens Ergolz in den Rhein lassen die Unternehmer die Räder, die Dampfmaschine und den Kessel abmontieren und in Kisten verpacken. Über Brugg und Baden erreichen diese Teile Zürich. Die Schiffsschale, ebenfalls zerlegt, wird über Umwege dorthin gebracht. Stadttore und Brücken verhindern, dass der Schwertransport – gezogen von Pferden und Ochsen – den gleichen Weg wie die Kisten nehmen kann. Gegen Ende April erreichen die Schalenteile den Bauplatz an der Holzschanze beim heutigen Sechseläutenplatz in Zürich.

 

Geglückte Inbetriebnahme
Getauft auf den Namen Minerva (römische Göttin der Weisheit und der Kunst des Schiffbaus) kann der Raddampfer am 20. Juni 1835 vom Stapel laufen. Das Schiff wird um 6 Meter verlängert und erreicht damit eine Länge von 34,75 Meter (über Deck) und eine Breite von 7,92 Meter. Angetrieben wird es von zwei Einzylinder-Balanciermaschinen zu je 25 PS, die eine Geschwindigkeit von 16 Kilometer je Stunde erlauben, was die lokale Presse mit «pfeilschnell» kommentiert. Der Dampfer kann bis 500 Fahrgäste aufnehmen. Nun treten Caspar und Gustav Albert Escher offiziell als Teilhaber des Unternehmens Caspar, Lämmlin & Cie. auf.

 

Vom Zürichsee auf den Walensee…
Auf dem Walensee 1839 fusionieren die Schifffahrtsgesellschaft des Walensees mit dem Unternehmen vom Zürichsee unter dem neuen Namen Vereinte Dampfschiffgesellschaft für den Zürich- und Walensee.

Als erste Massnahme wird die «Minerva» gegen die «Linth-Escher» (I) ausgetauscht. Die «Minerva» verkehrt ab dem 20. Mai 1839 bis Mitte Oktober 1859 auf dem Walensee und bedient die Strecke Walenstadt-Weesen. Im Mai 1848 wird eine neue Dampfmaschine in das nun auf «Splügen» umgetaufte Schiff eingebaut. Die Eröffnung der Eisenbahnlinie entlang des Walensees führt zum vorläufigen Ende des Verkehrs mit Dampfschiffen auf dem Walensee. Am 30. Juni stellt man den Fahrdienst zwischen Murg und Weesen und am 16. Oktober 1859 auf der ganzen bisher bedienten Linie ein.

 

…und wieder zurück
Nachdem man bei der «Splügen» die Dampfmaschine ausgebaut hat, wird sie am 9. Oktober 1860 über den Linth-Kanal auf den Zürichsee überführt. Nach dem Wiedereinbau der Dampfmaschine und einer Revision ist der Raddampfer noch bis 1863 im Einsatz.