Der Raddampfer Léman (III) wird von Escher Wyss gebaut und hat eine Länge von 55,00 Meter, eine Breite im Hauptspant von 5.64 Meter und kann 800 Personen befördern. Die stehende oszillierende 2-Zylinder-Niederdruckmaschine leistet 240 PSi. Das Schiffsgewicht beträgt 210 Tonnen.
Raddampfer Léman
Nachdem die «Léman» (III) bereits 1863 zwei neue Kessel erhalten hat, bekommt sie 1875/76 wiederum zwei neue Kessel sowie eine neue Maschine (oszillierende Hochdruck-Verbundmaschine).
1894 wird das Schiff zu einem Halbsalondampfer umgebaut und bekommt eine praktisch neue Schale nach dem bisherigen Riss. Auf dem Vorschiff entsteht eine verglaste Rotonde, welche die Fahrgäste sehr schätzen. Die oszillierende Maschine wird durch eine schrägliegende Ausführung ersetzt, und schon wieder erhält die «Léman» (III) zwei neue Kessel.
1912 werden wiederum zwei neue Kessel eingebaut, die Maschine wird für den Heissdampfbetrieb angepasst. Nach dem Ersten Weltkrieg, 1922/23, werden die Radkasten in eine reine Metallbauart umgebaut.
1927 wird die «Léman» ausser Dienst gestellt.
Motorschiff Léman (IV)
1930 wird klar, dass die «Léman» zu einem Doppelschrauben-Motorschiff umgebaut werden soll. Nach einem schnellen Beginn der Arbeiten werden diese während der Weltwirtschaftskrise fast vollständig eingestellt und erst 1942 abgeschlossen.
Die «Léman» bekommt zwei Sulzer-4-Takt-Motoren und wird mit zwei Escher Wyss-Verstellpropellern angetrieben. Sofort wird das «neue» Motorschiff in den schweren Kurseinsatz genommen, ist es doch wesentlich günstiger im Einsatz als ein Dampfschiff derselben Grösse.
Die «Léman» (IV) erweist sich als schnell: Mit einer Geschwindigkeit von 31.8 km/h wird sie zum schnellsten Schweizer Motorschiff und ist ungefähr gleich schnell wie der Raddampfer Gallia auf dem Vierwaldstättersee.
Am 9. Mai 1945 trifft es als erstes Schweizer Schiff nach dem Zweiten Weltkrieg in Evian-les-Bains (Frankreich) ein.
Mit der Inbetriebsetzung der «Chablais» im Jahre 1974 wird die «Léman» in den Reservedienst verbannt. Die letzte Fahrt, von Lausanne nach Genf, führt das Motorschiff am 8. August 1983 aus.
1986 wird die «Léman» (IV) von der Flottenliste gestrichen. Eine Ära ist zu Ende gegangen.
Erinnerung
Glück hatte ich, als ich zur Hochzeit meiner Schwester im Jahre 1980 für einige Tage am Lac Léman weilte, dass ich das eigenwillige Motorschiff auf verschiedenen Fahrten im Haut-Lac noch erleben durfte. Die eigenartige Stimmung an Bord, man wusste ja, dass die Schiffsschale aus den Anfängen der Schweizer Schifffahrt stammte, die spartanische und «müffelnde» Inneneinrichtung und das dumpfe Brummen der beiden Motoren sowie der Abgasgeschmack liessen mich von der Vergangenheit träumen.