DS Lausanne (I), ab 1949 MS Lausanne (I) – Lac Léman

Um das Jahr 1903 zeigt sich die (fast) neue «Lausanne» dem Fotografen. (Archiv ETH, Ans_05404-029-AL)
Um das Jahr 1903 zeigt sich die (fast) neue «Lausanne» dem Fotografen.
(Archiv ETH, Ans_05404-029-AL)

Am 18. April 1898 bestellt die Schifffahrtsgesellschaft des Genfersees (CGN) bei den Gebr. Sulzer ein Salondampfschiff für 310‘000 Franken. Vorbild ist der Raddampfer Genève, jedoch soll das neue Schiff etwas kleiner werden. Als erster Dampfer auf dem Lac Léman bekommt er eine schrägliegende Zwei-Zylinder-Heissdampfverbundmaschine. Dieser Maschinentyp wird in der Folge in acht weiteren Sulzer-Schiffen für den Genfersee eingebaut.

 

Baubeginn

Mit dem Bau der «Lausanne» wird 1899 begonnen. Ende Juli 1900 können die ersten Probefahrten durchgeführt werden; die Stabilität lässt zu wünschen übrig. Daher muss der Dampfer auf Kosten des Erbauers um 2 Meter verlängert und um 35 Zentimeter verbreitert werden. Das «Lausanne» genannte Schiff ist 57,00 Meter lang und 13,60 Meter breit (jeweils über alles). Die schrägliegende 2-Zylinder-Heissdampf-Verbundanlage leistet 750 PSi (bei einer Geschwindigkeit von 27,3 km/h). Der Dampfer kann 850 Personen befördern.

 

Nachbesserungen am Schiff

Im darauf folgenden Winter erstellt man auf dem Oberdeck vorne eine kleine Rauchkabine, auf deren Dach der neue Steuerstand steht. Der Treppenaufgang zum Oberdeck befindet sich nun im Freien, da die Kabine auf dem hinteren Oberdeck entfernt wurde.

 

1909 werden Maschinentelegrafen eingebaut und 1910 die kleinen Fenster im Erstklass-Salon durch grössere ersetzt. Die Tische im Innern werden nun quer zu den Fenstern gestellt, ganz nach dem Vorbild der neueren Einheiten der CGN-Flotte. Gleichzeit verschwindet das Wappen auf den Radkasten und wird durch einen Strahlenkranz ersetzt.

 

Ganzjähriger Einsatz

Durch den günstigen Kohlenverbrauch wird das Schiff auf dem ganzen See ganzjährig eingesetzt. Da das Schiff auch im Winter im strengen Einsatz steht, werden 1927 zur Komfortverbesserung zwischen den Radkasten und dem 1. Klass-Salon Schiebetüren montiert.

 

Ein Jahr später erfolgt eine Generalrevision des Dampfers. Das Oberdeck wird in der Mitte verglast und das Sonnenzelt durch ein festes Dach ersetzt. Während des Zweiten Weltkrieges bleibt die «Lausanne» im Einsatz.

 

Modernisierung

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges beschliesst die CGN die «Lausanne», analog zur «Genève», zu motorisieren, wobei jedoch Dieselmotor, Generator und Elektromotor nur noch einfach vorhanden sein sollen. Auf Grund langer Lieferfristen erfolgt die Wiederinbetriebnahme erst 1949. Die Silhouette des Radschiffes ist beinahe unverändert, einzig der Kamin ist kürzer. Die Tragkraft kann von 850 auf 900 Fahrgäste erhöht werden. Es steht im strengen Einsatz, was 1958 umfangreiche Reparaturen an der Antriebsanlage nötig macht.

 

Reserveschiff

1976 wird das stolze Schiff in die Reserve zurückgestuft, wird jedoch ein Jahr später beim Winzerfest von Vevey dringend benötigt. Am 19. Oktober 1977 führt es seine letzten Kurse aus und wird im Sommer 1978 abgebrochen.

 

Persönliche Erinnerungen

Ich erinnere mich gerne an die «Lausanne» zurück: 1975 erwartete ich eigentlich auf einem Kurs ab Genf nach Yvoire die «Vevey». Unverhofft kam aber die «Lausanne» zum Einsatz. Unmengen von Menschen warteten in Nyon für die Überfahrt nach Yvoire, dafür war die Schiffskapazität zu klein und zahlreiche Leute mussten in Nyon stehengelassen werden. Hier sah ich auch, wie damals auf dem Genfersee üblich, ein eher ungepflegtes Schiff, das am Ende seiner Betriebszeit angelangt war. Im Salon hatte es keine Tischtücher, die Rostflecken an Schale und Aufbauten waren unübersehbar und der übliche Geruch von Abgasen waren auf dem ganzen Schiff präsent. Trotzdem: ich war begeistert von dieser einmaligen Fahrt mit der «Lausanne».