DS Italie (II), ab 1958 MS Italie – Lac Léman

Festlich beflaggt läuft am 26. Mai 1908 das Dampfschiff Italie zur Jungfernfahrt aus.(Archiv Didier Zuchuat)
Festlich beflaggt läuft am 26. Mai 1908 das Dampfschiff Italie zur Jungfernfahrt aus.
(Archiv Didier Zuchuat)

Die «Italie» wird als Schwesterschiff der «Vevey» im Jahr 1908 in Betrieb genommen. Der Dampfer wird von den Gebr. Sulzer erbaut und ist 61,50 Meter lang und 14,00 Meter breit (jeweils über alles). Die schrägliegende 2-Zylinder-Heissdampfverbundanlage leistet bei voller Geschwindigkeit 850 PSi. 1’000 Fahrgäste finden auf dem formschönen Dampfer Platz. Die Jungfernfahrt fand am 26. Mai 1908 statt.

 

Sparsam

Da die «Italie», im Gegensatz zu den Dampfern Montreux und Général Dufour einen sparsamen Kohlenverbrauch hat, wird das formschöne Schiff häufig auf frequenzstarken Hauptkursen eingesetzt.

 

Umbau

1957/58 erfolgt im Anschluss an den gelungenen Umbau der «Vevey» auf dieselelektrischen Antrieb die analoge Modernisierung des intensiv eingesetzten Schiffes Italie, wobei eine baugleiche Maschinenanlage installiert wird. Die Dampfmaschine wird durch einen dieselelektrischen Antrieb mit 515 kW Leistung ersetzt. Dieser Antrieb besteht aus einem Sulzer-Achtzylinder-4-Takt-Dieselmotor ohne Aufladung mit 290 mm Bohrung und 360 mm Kolbenhub. Die Generator-Elektrofahrmotor-Einrichtung stammt von der BBC in Baden.

 

Einsatz

Ab 1959 bekommt das Schiff den Heimathafen in Le Bouveret zugeteilt; sie wird auf dem Paradekurs Bouveret-Genf-Bouveret eingesetzt, und zwar täglich zwischen Ende März und Ende Oktober. Diese Kurseinsätze behält sie bis zu ihrer Stilllegung im Jahre 2005 bei.

 

Erinnerung

Auf der «Italie» wirtete ab den 1970er Jahren das geschäftstüchtige Ehepaar Sutter. Auf der morgendlichen Fahrt von Le Bouveret nach Genf war der Erstklass-Salon geschlossen, die Tische wurden aufgedeckt. Das Gros des Gastronomie-Personals stieg erst in Montreux oder Vevey zu. Von Lausanne bis Genf gab es zwei Essensserien. Weil der Andrang gross war, «ergänzten» die Sutter’s den Salon mit zusätzlichen Tischen. So stimmte die Fensterteilung mit der Tischanordnung nicht mehr überein, viele Fahrgäste waren enttäuscht, wenn sie hinter einem «Pfosten» sitzen mussten. Standardmenu auf der «Italie» war Beinschinken mit einer Madeira-Sauce, nicht unbedingt mein Lieblingsessen.

 

Ausser Dienst und Sanierung

Nach einer «Ruhezeit» von zehn Jahren (2006-2015) und nach erfolgter Finanzierung durch die Genfersee-Dampferfreunde, privater Spender und des Kantons Waadt begann die Renovation im Mai 2015. Fast 18 Monate Arbeit und mehr als 60’000 Arbeitsstunden waren notwendig, um der «Italie» ein neues Leben einzuhauchen. Dieses Juwel der Belle Epoque wurde Mitte November 2016 wieder in Betrieb genommen.

 

Seither ist die «Italie» ganzjährig auf dem See anzutreffen.

 

In der Dampferzeitung, Ausgabe 187, erschienen ausführliche Berichte über die Geschichte und den Umbauarbeiten in den Jahren 2012 bis 2014 der «Italie».

 

CGN

 

ABVL (Dampferfreunde Lac Léman)