DS Genève (I); ab 1934 MS Genève (I) – Lac Léman

Mit den hohen Masten und dem Klipperbug ist die neue «Genève» eine imposante Erscheinung.(Archiv RTS)
Mit den hohen Masten und dem Klipperbug ist die neue «Genève» eine imposante Erscheinung.
(Archiv RTS)

An der Generalversammlung der CGN im Oktober 1894 wird der Beschluss für die Beschaffung einer neuen Einheit gefasst. Der Auftrag wird an die Gebrüder Sulzer in Winterthur erteilt. Damit wird Escher Wyss als Lieferant abgelöst und Sulzer kann alle nachfolgend bestellten Dampfschiffe auf den Genfersee liefern.

 

Inbetriebnahme

Der Neubau wird im Dezember 1895 gewassert und ab dem 28. Mai 1896 im Expressdienst zwischen Genf und Le Bouveret eingesetzt. Der Raddampfer hat eine Länge von 63.10 Meter und eine Breite von 13.95 Meter (jeweils über alles), die schrägliegende 2-Zylinder-Nassdampfverbundmaschine leistet 890 PSi. Die «Genève» kann 1’000 Personen befördern, dies bei einem Mannschaftsbestand von zehn Personen.

 

Rundgang auf dem Schiff

Bald ist die «Genève» bei den Fahrgästen sehr beliebt. Der 1. Klass-Salon auf dem hinteren Hauptdeck ist sehr geräumig und mit einer Täferung mit geschnitzten Nussbaumrahmen mit heller Füllung ausgestattet. Sofas und Stühle sind mit Plüsch überzogen. Vor dem Salon liegt auf der einen Seite das Damenzimmer mit Waschraum und auf der anderen Seite ein Wirtschaftsraum.

 

In den Radkasten sind die Küche, die Kassa, die Kapitänskammer und Räume für die Mannschaft untergebracht. Angetrieben wird das Schiff von einer schrägliegenden Verbundmaschine mit Ventilsteuerung. Es ist der letzte Genfersee-Dampfer, der für den Nassdampfbetrieb ausgelegt wird. Die Baukosten werden mit 387’094 Franken ausgewiesen.

 

Weltgeschichte

1898 schreibt die «Genève» Weltgeschichte: Vor dem Betreten des Schiffes wird Kaiserin Elisabeth von Österreich (genannt «Sisi») vom italienischen Anarchisten Luccheni erstochen.

 

Revisionsarbeiten

Bereits 1899 erfolgt die erste Schalenrevision auf Stapel. 1905 wird eine Kommandobrücke erstellt, jedoch wird zunächst noch ohne ein geschlossenes Steuerhaus gefahren. 1909 werden Maschinentelegrafen eingebaut.

 

Antrieb?

Kurz vor Ende des Ersten Weltkrieges wird erwogen, die träg reagierende Maschine nach dem Krieg durch eine neue moderne Maschine zu ersetzen. Darauf wird jedoch verzichtet. 1930 erhält der Dampfer eine Totalrevision: Teilverglasung des Oberdecks, Ersatz des Sonnenzeltes durch ein Blechdach, Auffrischung des Salons, neue Kommandobrücke samt Steuerhaus.

 

Für die Kessel muss 1932 dringend Ersatz beschafft werden. Sulzer offeriert zwar neue Kessel, offeriert aber zu den fast gleichen Bedingungen eine Motorisierung. Die CGN beschliesst diese Offerte anzunehmen und die «Genève» auf dieselelektrischen Betrieb umzubauen. 1933/34 leisten die Firmen Sulzer (Dieselanlage), BBC (Elektroanlage) und die CGN (schiffbautechnische Arbeiten) Pionierarbeit. Bereits im Sommer 1934 laufen die Probefahrten an, der Betriebsaufnahme steht nichts mehr im Weg.

 

Geschichte

Am 2. August 1942 fällt der «Genève» die Ehre der einzigen Seeüberquerung während des Zweiten Weltkriegs zu, und zwar anlässlich eines Turnfestes im von deutschen Truppen besetzen Evian-les-Bains.

 

Reserve

Ab 1970 ist das erste dieselelektrische Radmotorschiff infolge des schlechten Zustands der Schale als Reserveeinheit eingeteilt.

 

Erinnerungen

Im letzten Betriebsjahr, 1973, durfte ich noch zwei Fahrten mit der «Genève» unternehmen: den Morgenkurs von Lausanne nach Yvoire, dem französischen Ufer entlang. Dieser Schiffskurs hatte fast keine Frequenzen und so konnte ich das Schiff ganz ruhig besichtigen. Beindruckt hat mich der «müffelnde» Salon mit der rundumlaufenden Bank. Aber auch das dumpfe Dröhnen der beiden Dieselmotoren erinnern mich an die «gute alte Diesel-Zeit», denn es roch auch auf dem ganzen Schiff nach Abgasen…

 

Ausser Dienst

Als das MS Chablais (dieses Motorschiff ist auch bereits Geschichte) in Betrieb kommt, wird die «Genève» nicht mehr benötigt. Sie erbringt im Herbst 1973 die letzten Leistungen in der Kursfahrt.

 

Neuer Verwendungszweck

Nach der Ausserdienststellung wird die «Genève» an den Verein «Bateau Genève» verkauft, das Schiff in Genf stationiert. Der Verein ist ein privater Verein sozialer Natur, der als öffentliches Versorgungsunternehmen anerkannt ist. Sein Zweck ist es, Erwachsene in prekären Situationen oder persönlichen und sozialen Schwierigkeiten willkommen zu heissen. Im Sommer lässt sich auf dem Schiff gut den Apéro samt Tapas geniessen und wenn man nett fragt, darf man auch die beiden Dieselmotoren besichtigen.