Mit der Eröffnung des Simplon-Tunnels wurde ein bedeutender Aufschwung des Schiffsverkehrs auf dem Genfersee erwartet. Am 14. Juni 1902 stimmten die Aktionäre der CGN der Beschaffung zweier Salondampfer zu. Diese wurden von den Gebr. Sulzer aus Winterthur geliefert. Nach der erfolgreichen Inbetriebnahme des Schwesterschiffs Montreux begannen 1904 die Bauarbeiten an der «Général Dufour» (Guillaume Henri Dufour lebte von 1787 bis 1875 und war der erste General in der Geschichte der Armee des Schweizer Bundesstaats). Am 25. Mai 1905 erlebte der neue Dampfer seine Jungfernfahrt. Die «Général Dufour» hat eine Länge von 63,00 Meter und eine Breite von 14,30 Meter (jeweils über alles). Die schrägliegende 2-Zylinder-Heissdampfmaschine leistet bei Höchstgeschwindigkeit (28,55 km/h) 1016 PSi, die Tragkraft beträgt 1’100 Personen.
Schiffsrundgang
Im Rumpf der «Général Dufour» befand sich vorn unter dem Hauptdeck eine geräumige Zweit-Klass-Kajüte mit einem Treppenaufgang an ihrem hinteren Ende. Auf beiden Seiten der Treppen lagen die Kabinen für das Maschinenpersonal und den Schiffswirt. In der Mitte des Schiffes waren zwei Kessel und die Zwei-Zylinder-Heissdampfverbundmaschine untergebracht. Hinter dem Maschinenraum lagen die Vorratsräume und die Kajüten der Mannschaft.
Prächtiger Salon
Eine kleine Damenkabine und das Office des Restaurateurs ergänzten den prächtig ausgestalteten Erstklass-Salon auf dem hinteren Teil des Hauptdecks. Die Fenster aus Kristall hatten eine doppelte Breite als bisher üblich. Die Wände waren im Stile Louis XIV gehalten und aus gefärbtem Holz. Die Tische stellte man quer zur Schiffsachse, damit die Landschaft von den Passagieren nach beiden Seiten betrachtet werden konnte. Stühle mit Rückenlehnen (!), Sofas, Buffets, Spiegel mit Blumenkonsolen bildeten für die damalige Zeit eine elegante Möblierung. Der Damensalon war im Empirestil gehalten. Die Holzarbeiten dieser Räume lieferte die Möbelschreinerei Gilg-Steiner aus Winterthur. Die restlichen Holzkonstruktionen wurden von der CGN selber ausgeführt. In den Radkasten waren Räume für den Kapitän und den Kassier sowie die Küche untergebracht.
Oberdeck
Zum Oberdeck führte eine breite Treppe aus Eichenholz, welches mit ringsum laufenden Lattenbänken sowie Doppelbänken mit Tischen in der Mitte ausgestattet war. Bewegliche Zelte schützten die Passagiere der 1. Klasse vor der Sonne.
Ergänzungen
1909 wurde das Schiff mit Maschinentelegraphen ausgerüstet und vier Jahre später musste vorschriftsgemäss im Rumpf eine vierte Schottwand eingebaut werden.
Einsatz
Die «Général Dufour» hatte einen grossen Kohleverbrauch (ca. 26,8 kg/km) und wurde in den Jahren 1919 bis 1929 nur als Reserveschiff eigesetzt. Bei Kriegsausbruch 1939 erfolgte die Stilllegung des Dampfers. Obwohl ab 1935 eine neue Betriebsbewilligung ausgestellt wurde, kam die «Général Dufour» erst ab 1954 wieder in den regelmässigen Dienst und bediente frequenzstarke Kurse mit knappen Fahrzeiten.
Nach der Expo’64 (Schweizerische Landesausstellung) in Lausanne kommt das DS Général Dufour in den Reservedienst und wird 1965 ein letztes Mal in zwei Kursen eingesetzt. Nach dem Ablauf der Betriebsbewilligung wird die «Général Dufour» abgestellt. Es vergammelt in der Werft und wird erst 1977 (!) abgewrackt.
Erinnerungen
An einem Sonntag im Jahr 1976 führte uns der damalige Werftchef der CGN durch die Werft und zeigte uns die Schiffe. Auf unsere Frage, ob wir die «Général Dufour» auch noch sehen dürfen, willigte er etwas unwirsch ein. Was wir da sahen, war ein Wrack: Das Wasser drang, selbst in der Schale, überall ein und wir mussten aufpassen, dass wir nicht in ein Loch im Holzdeck fielen. Wir zeigten dem Werftchef unsere Betroffenheit, wie weit ein Schiff kommen kann. Zum Trost gab er uns einen Treppenleist mit den Aufschriften «Général Dufour», «1905» und «Sulzer frères». Dieser Leist ziert heute das Büro der Genfersee-Dampferfreunde.