DS Brünig; ab 1872 DS/MS Schwan - Vierwaldstättersee

Die «Brünig» befindet sich hier im Stilllager im Luzerner Seebecken. Im Hintergrund das DS Rigi.(Archiv SGV)
Die «Brünig» befindet sich hier im Stilllager im Luzerner Seebecken. Im Hintergrund das DS Rigi.
(Archiv SGV)

Für den Posttransport zwischen Luzern und Interlaken wird ein Schraubendampfer angeschafft, der die Strecke von Luzern nach Alpnachstad bedienen soll. Das «Brünig» getaufte Schiff ist 22.86 Meter lang (über Perpendikel) und 3.35 Meter breit (über alles). Das von Escher Wyss gebaute Schiff besitzt eine stehende Nassdampf-Zwillingsanlage, diese leistet 10 PSnom.

 

Der Schraubendampfer wird am 12. Juni 1863 in Betrieb genommen, doch schon nach wenigen Tagen zeigt sich, dass die Maschine mangelhaft konstruiert ist. Zahlreiche Ausfälle bezeugen dies.

 

Unfall

Pech hat das DS Brünig am 24. September 1871 auf der Fahrt von Luzern nach Küssnacht, als der Raddampfer Schweiz den Schraubendampfer so rammt, dass dieser innerhalb weniger Minuten sinkt. Es sind dabei zwei Menschen, die sich auf der «Brünig» befinden, ums Leben gekommen. Nach der Hebung wird der Dampfer repariert und erhält den Namen Schwan (I).

 

Ab 1907 wird die «Schwan» für Sprengstoff-Transporte von Isleten nach Flüelen und für Lokalkurse für die Bevölkerung eingesetzt.

 

Sprengstofffabrik

Um sein 1866 erfundenes Dynamit erstmals im harten Gestein des Tunnelbaus anwenden zu können, kaufte Alfred Nobel im Jahr 1873 die stillgelegte Papierfabrik in Isleten und baute sie in eine Sprengstofffabrik unter den Namen «AG der Schweizerischen Dynamit- und Produktenfabrik» um. Das dort hergestellte Dynamit diente insbesondere für den Bau des Gotthard-Eisenbahntunnels.

 

Die Sprengstofffabrik Isleten wurde in die 1875 in Paris gegründete Holding «Société Générale pour la Fabrication de la Dynamite» integriert. Während des Ersten Weltkriegs zog sich der Nobel-Konzern aus der Schweiz zurück. Isleten wurde 1916 von der 1899 in Jussy gegründeten Schweizerischen Sprengstoff AG Cheddite (SSC) mit den beiden Standorten Liestal und Isleten übernommen.

 

Transport

Ab 1907 wird die «Schwan» für Sprengstoff-Transporte von Isleten nach Flüelen und für Lokalkurse für die Bevölkerung eingesetzt.

 

Erinnerungen

Bis in die 1970er Jahre wurden zwischen Isleten und Flüelen auf den Kursschiffen der SGV Sprengstoff transportiert. Auf dem Schiffskurs 7, in den 1970er Jahren meist ausgeführt mit dem DS Gallia, gab der Maschinist ab Bauen «Volldampf voraus», damit in Isleten 2-3 grosse Vierrad-Karren eingeladen werden konnten. Wenn der Wasserstand hoch war, so mussten sogar Passagiere mithelfen um diese Wagen auf das Dampfschiff zu bringen. Noch heute sichtbar sind bei der Landungsbrücke die Schienen auf denen, auf kleinen Wagen, die Pakete mit Sprengstoff (ohne Zünder) von der Fabrik zur Station transportiert wurden.

 

Übrigens: Im heute noch bestehenden Gebäude bei der Schiffstation befand sich bis Mitte der 1980er Jahre eine Poststelle. Kassiere der Dampf- und Motorschiffe konnten hier mittels Einzahlungsschein ihre Einnahmen abliefern und Münz bestellen. Aus heutiger Sicht fast unmöglich…

 

Die altersschwach gewordene Dampfmaschine wird 1920 durch einen Hanomag-Dieselmotor ersetzt.

 

1922 werden Besatzungsmitglieder eines Nauen vom Team der «Schwan» gerettet (Bericht des Urner Wochenblatt).

 

1933 ist Schluss mit der «Schwan» (I), sie wird ausser Dienst gestellt.