Historische Schifffahrt Bodensee
Rück- und Ausblick 2025/2026

Kurt Hunziker
Nach den zurückhaltenden Jahren während der Corona-Zeit beobachteten die Verantwortlichen der HSB bei den Gästezahlen 2024/2025 wieder eine leichte, aber kontinuierliche Erholung. Der Trend zeigt, dass das Interesse an hochwertigen Freizeiterlebnissen langsam zurückkehrt.

Gleichzeitig bleibt die wirtschaftliche Situation spürbar angespannt, was sich im insgesamt bewussteren Ausgabeverhalten widerspiegelt. Viele Menschen wählen ihre Freizeitaktivitäten heute sehr gezielt aus. Gerade bei besonderen Anlässen wird das Angebot jedoch wieder verstärkt nachgefragt, da eine Fahrt auf den historischen Schiffen mehr ist als eine klassische Schifffahrt: Sie verbindet das Erlebnis auf dem Wasser mit dem Anspruch eines sehr guten Restaurantbesuchs – eingebettet in ein aussergewöhnliches und exklusives Ambiente.

 

Statistiken 2025 und 2024
Das Motorschiff Oesterreich führte im Jahr 2025 insgesamt 197 (2024: 148) Fahrten mit insgesamt 11’000 (10’000) Gästen durch. Die «Oesterreich» legte im vergangenen Jahr ca. 9’700 (2024: 8’200) Kilometer zurück und dies an 106 (127) Einsatztagen.

 

Das Dampfschiff Hohentwiel war auf 160 (152) Fahrten im Einsatz und beförderte insgesamt 15’500 (13’000) Menschen. Die «Hohentwiel» legte im Jahr 2025 insgesamt 9’200 Kilometer (gleich viel wie im Vorjahr) an 110 (135) Tagen zurück.

 

Kurzer Rückblick auf das Schifffahrtsjahr 2025
Das Schifffahrtsjahr 2025 begann traditionsgemäss mit der intensiven Vorbereitung auf die Saison. In den Monaten März und April wurde das DS Hohentwiel umfassend instand gesetzt: Anstehende Reparaturen wurden durchgeführt, die historische Zweizylinder-Dampfmaschine sorgfältig überprüft und bei mehreren Probefahrten getestet. Parallel dazu wurde das Schiff technisch wie optisch auf Hochglanz gebracht, um pünktlich zum Saisonstart Anfang Mai einsatzbereit zu sein.

 

Das MS Oesterreich startete bereits früher ins Jahr und war von Februar bis Mitte April als schwimmendes Pop up-Restaurant «Hafenküche» im Hafen von Hard geöffnet. Offizieller Auftakt des Fahrtenjahres waren wie jedes Jahr die Osterfahrten. Der grosse Saisonstart folgte mit dem Hafenfest in Romanshorn, bei dem Rundfahrten angeboten wurden und das MS Oesterreich als Restaurant direkt im Hafen positioniert war.

 

Mit einer breiten Palette an Themen- und Erlebnisfahrten sprach das Programm 2025 erneut eine vielfältige Zielgruppe an – von klassischen Rundfahrten über kulinarische Angebote bis hin zu Gourmet- und besonderen Erlebnisformaten. Ein besonderes Highlight waren die Zeitreise-Fahrten: Als einzigartiges Angebot auf dem Bodensee ermöglichen diese Themenfahrten eine Erlebnisreise mit beiden historischen Schiffen und verbinden so zwei Epochen der Schifffahrtsgeschichte (Jugendstil und Art déco). Weiters zählen zu den jährlichen Höhepunkten erneut die Festspielfahrten mit dem DS Hohentwiel, bei denen die Gäste vor der Aufführung ein Menü an Bord geniessen und anschliessend als letztes Passagierschiff direkt zur Bregenzer Festspielbühne gebracht werden. Ebenso grosser Beliebtheit erfreuten sich die Feuerwerksfahrten nach Konstanz und Langenargen mit beiden Schiffen. Neu im Jahr 2025 war das Format «Kulinarisches Österreich» auf dem MS Oesterreich – eine bewusste Hommage an die Vielfalt der österreichischen Küche über bekannte Klassiker hinaus. Zudem wurde der Schweizer Markt gezielt ausgebaut, mit zusätzlichen Abfahrten ab der Schweiz. Die positive Resonanz bestätigte, dass Gäste aus der Schweiz das Zusammenspiel aus historischer Schifffahrt und hochwertiger Gastronomie sehr zu schätzen wissen.

 

Mitte Oktober wurde das DS Hohentwiel schliesslich im Hafen Hard eingewintert. Mit dem Beginn der Wintersaison übernahm das MS Oesterreich ab November erneut das Programm mit den beliebten Gansl- und Weihnachtsfahrten sowie der traditionellen Silvesterfahrt und bildete damit den stimmungsvollen Abschluss des Schifffahrtsjahres 2025.

 

Arbeiten an den Schiffen im Winterhalbjahr 2025/26
Im Winterhalbjahr 2025/26 standen auf dem Dampfschiff Hohentwiel erneut gezielte Arbeiten im Zeichen der langfristigen Werterhaltung im Fokus. Im Rahmen der laufenden Instandhaltung der historischen Dampfmaschine wurden – mit fachkundiger Unterstützung zweier befreundeter Spezialisten vom Zürichsee – weitere Lager der Kurbelwelle überarbeitet sowie die Pleuellager des Niederdruckzylinders sorgfältig inspiziert. Diese Massnahmen dienen der Betriebssicherheit und dem nachhaltigen Erhalt der Maschine.

 

Neben der Antriebs-Technik erfordert auch die periphere Schiffsausrüstung regelmässige Anpassungen. So wurde die Abwasserleitung aus der Küche, die im Radkasten hinter dem steuerbordseitigen Schaufelrad verläuft, bis zum Fäkalientank vor dem Maschinenraum vollständig neu verlegt. Die damit verbundenen Arbeiten – einschliesslich mehrerer Durchbrüche durch Decks, Schotten und Aussenhaut – wurden von der ÖSWAG in Linz fachgerecht und termingerecht umgesetzt.

 

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Optimierung der Sicherheitsausrüstung. Um die Rettungsmittel künftig dezentral und dennoch stilvoll an Bord bereithalten zu können, fertigte die Bootsbau Wilhelm Wagner zwei hochwertige, handwerklich ausgeführte Holzkisten an. Diese wurden auf dem Vorschiff platziert und fügen sich harmonisch in das historische Erscheinungsbild des Schiffes ein.

 

Personalsituation

Im Hinblick auf die Schifffahrtssaison 2026 wurde auch im Personalbereich grossen Wert auf Weitsicht und Kontinuität gelegt. Im nautischen Bereich investierte man gezielt in die Ausbildung und Entwicklung von Nachwuchskräften, um den Schiffsbetrieb langfristig und auf hohem Qualitätsniveau sicherzustellen. Dabei ist es wichtig, Wissen und Erfahrung systematisch weiterzugeben und die nächste Generation frühzeitig an die besonderen Anforderungen der historischen Schifffahrt heranzuführen. Unabhängig davon ist man laufend auf der Suche nach interessierten und engagierten Personen, die Freude am Arbeiten an Bord haben und idealerweise eine handwerkliche Ausbildung mitbringen. Der Betrieb historischer Schiffe vereint Technik, Verantwortung und Teamarbeit und bietet ein aussergewöhnliches berufliches Umfeld.

 

Interessierte können sich jederzeit bei der HSB melden – per E-Mail unter bewerbung@hs-bodensee.eu oder telefonisch unter +43 5574 63 560.

 

Neue Themenfahrten

Mit Blick auf die Schifffahrtssaison 2026 setzen die Verantwortlichen gezielt neue inhaltliche Akzente und bauen den gastronomischen Anspruch an Bord der historischen Schiffe weiter aus. Die Küche an Bord ist – ebenso wie die Schiffe selbst – etwas Einzigartiges auf dem Bodensee. Aufbauend auf den etablierten Gourmetfahrten wird dieses Konzept mit der neuen Fahrtreihe «Genuss Salon» konsequent fortgeführt.

 

Der «Genuss Salon» steht für kulinarische Themenfahrten mit klarer Handschrift und eigenem Charakter. Jede Fahrt widmet sich einem spezifischen Schwerpunkt, der in dieser Form auf dem See bislang nicht angeboten wurde: von regionaler Fischküche über mediterrane Leichtigkeit, französische Raffinesse oder spanisches Temperament bis hin zu Abenden, an denen zwei Spitzenköche gemeinsam ein exklusives Gourmetmenü gestalten. Saisonale Inspiration und die Liebe zum Detail stehen dabei stets im Vordergrund. Das elegante Art déco-Ambiente der Salons auf dem MS Oesterreich bildet den passenden Rahmen für diese besonderen Genussmomente.

 

Ergänzt wird das Programm 2026 durch eine weitere neue Fahrt: «Comedy & Harmonists». Dieses Format verbindet Musik, Kulinarik und Geselligkeit zu einem stimmigen All-in-Erlebnis und greift bewusst den Geist jener Epoche auf, die den Charakter des MS Oesterreich bis heute prägt. Insgesamt soll die Saison 2026 damit erneut zeigen, wie sich historische Schifffahrt und zeitgemässe Genusskultur auf hohem Niveau verbinden lassen.

 

Einfluss der politischen Weltlage auf die Historische Schifffahrt Bodensee

Die aktuell angespannte politische Weltlage und die damit verbundenen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen machen sich auch bei der historischen Schifffahrt bemerkbar. Steigende Kosten bei zentralen Betriebsmitteln wie Treibstoff, Wareneinsatz, Energie und Personal stellen auch für die HSB eine spürbare Herausforderung dar. Diese Entwicklungen lassen sich nicht vollständig kompensieren und wirken sich in gewissem Mass auch auf die Preisgestaltung der Fahrten aus.

 

Blick in die Zukunft
Der Blick in die Zukunft ist bei der HSB eng mit dem Anspruch verbunden, den Betrieb der historischen Schiffe behutsam weiterzuentwickeln und zugleich den Komfort sowie die Arbeitsbedingungen an Bord zu verbessern.

 

Für das MS Oesterreich wird aktuell der Einbau einer Dachklimaanlage anstelle der bestehenden Dachluke geprüft. Ziel ist eine optimierte Belüftung der Salons und ein spürbarer Komfortgewinn für Gäste und Crew.

 

Auf dem DS Hohentwiel ist vorgesehen, das vordere Brückenfenster auf eine elektrische und beheizbare Ausführung umzurüsten. Damit sollen witterungsbedingte Sichtbehinderungen reduziert und die Sicherheit bei wechselnden Bedingungen weiter erhöht werden.

 

Für beide historischen Schiffe wird zudem geprüft, ob künftig der Einsatz von Hydrotreated Vegetable Oil (HVO) möglich ist. Dieser alternative Kraftstoff wird aus biogenen Rest- und Abfallstoffen hergestellt und könnte einen weiteren Schritt in Richtung eines ressourcenschonenderen Schiffsbetriebs darstellen.

 

Veranstaltungen
39. Vereinsversammlung der Sektion Schweiz

Freitag, 19. Juni 2026 – 18.30 Uhr – Stadthofsaal Rorschach

 

Mitgliederrundfahrten

Freitag, 19. Juni 2026 – 13.30 Uhr, 16.00 Uhr und 20.15 Uhr – Hafen Rorschach

 

Arbon Classics 2026

Samstag/Sonntag, 30./31. Mai 2026 – Arbon TG

 

38. Jahreshauptversammlung Verein Int. Bodensee-Schifffahrtsmuseum

Samstag, 09. Mai 2026 – 10.00 Uhr – Kirchgemeindesaal – Hard A

 

Überblick über die Themenfahrten 2026.