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Mai 2024
Dieser Bericht stammt von Sébastien Jacobi und wurde von der Redaktion ergänzt.

MS Général Guisan – Lac Léman
Im Hinblick auf die erhöhten Passagierzahlen anlässlich der Schweizerischen Landesausstellung (Expo’64) und zur Modernisierung ihrer Flotte bestellte die Schifffahrtsgesellschaft auf dem Genfersee (CGN) zwei mittelgrosse Doppelschrauben-Dieselmotorschiffe bei der Bodan-Werft in Kressbronn am Bodensee.

Anlässlich der Expo’64 trugen die CGN-Schiffe den Wimpel der Ausstellung.
(Archiv Kurt Hunziker)

Nach der Expo war vorgesehen, eines der Schiffe in Genf und das andere in Lausanne zu stationieren. Aus diesem Grunde wurden sie auf die Namen einer berühmten Genfer- und einer Waadtländer-Persönlichkeit getauft.

MS Général-Guisan bei La Tour-de-Peilz im zweiten Betriebsjahr 1965.
(Foto Sébastien Jacobi)

Das erste Schiff nahm 1963 als «Henry-Dunant» den Betrieb auf. Das Schwesterschiff folgte 1964 als «Général-Guisan». Dieser Name ehrte nicht nur die Persönlichkeit, es war auch ein Erinnerungsgruss an die bewegte Zeit der Landesausstellung (Landi 39) in Zürich. Damals war Kriegsbeginn und die vereinigte Bundesversammlung wählte den Waadtländer Henri Guisan (1874-1960) zum General.

Die «Général-Guisan» im Kurseinsatz.
(Foto Beda Forbrich, 1. Juli 1966)

Im Winter 1963/1964 wurde die «Général-Guisan» als zweites der beiden Schiffe in der CGN-Werft in Ouchy zusammengebaut. Beim Stapellauf am 6. Januar 1964 geriet das Schiff ausser Kontrolle und beschädigte am Bug des Dampfers Helvétie die Gallionsfigur. Das Ereignis fand kaum Beachtung, da an diesem Tag das Tram in Lausanne zum letzten Mal fuhr, was die Presse stark fokussierte.

Spartanisch eingerichtete Innenräume in der 2. Klasse prägen das Bild der «Général-Guisan».
(Foto Kurt Hunziker, 1. Februar 1997)

Die Jungfernfahrt erfolgte am Dienstag, den 24. März 1964, noch rechtzeitig vor Eröffnung der Expo. Unter den geladenen Gästen befanden sich die Witwe des Generals sowie andere Vertreter der Familie und der Armee. Die Fahrt wurde bei Pully vor dem Haus des Generals einen Moment unterbrochen, während die Blasmusik der Stadtpolizei Lausanne einen Militärmarsch spielte.

Blick in das Einstiegsdeck des Schiffes.
(Foto Kurt Hunziker, 16. Juli 2010)

Diese Doppelschrauben-Motorschiffe mit Haupt- und Oberdeck brachten eine neue Schiffsform auf den Genfersee, welcher aber weiterhin durch die majestätischen Raddampfer geprägt blieb.

Grosse Fenster begeistern immer noch die Fahrgäste.
(Foto Kurt Hunziker, 16. Juli 2010)

Die sehr breiten Fenster erlauben eine grosszügige Aussicht auf die Genfersee-Landschaft, was bei den Passagieren besonders beliebt ist. Im Oberdeck-Salon befindet sich ein grosses Gemälde von Jean Lecoultre, gestiftet von einer Bank. Es zeigt den General mit seiner Armee im Hintergrund.

Im Salon der ersten Klasse ist ein Gemälde mit dem Namensgeber des Schiffes, General Henri Guisan, zu sehen.
(Foto Kurt Hunziker, 16. Juli 2010)

Mit Ausnahme der Namenszüge an Bug und Heck, sind die beiden Schiffe nicht zu unterscheiden. Bis zum Umbau 1998 war bei der «Général-Guisan» vorn an der Oberdeckreling und seitlich am Kamin das CGN-Wappen auf stilisierten Flaggen angebracht, bei der «Henry-Dunant» war es auf rundem Hintergrund.

Gut sichtbar auf dem Kamin das Logo der CGN.
(Foto Kurt Hunziker, 8. April 1994)

Die damalige Flotte bestand fast ausschliesslich aus grossen Radschiffen. Die Neulinge, mittelgrosse Einheiten, bewähren sich in der Vor- und Nachsaison in den Hauptkursen und während der Hauptsaison in weniger stark besetzten Kursen.

Grosse Renovation im Winter 1997/98.
(Foto Kurt Hunziker, 26. April 1998)

In den 50 Dienstjahren von 1964 bis Ende 2023 hat die «Général-Guisan» mehr als zwei Millionen Kilometer zurückgelegt. Genau sind es 2’101’366 Kilometer, oder durchschnittlich 42’027 km/274 Betriebstage pro Jahr. Die höchste Jahresleistung ist jene des Jahres 2019, mit 56’358 Kilometer innerhalb von 293 Betriebstagen.

Am 1. September 1999 war das formschöne Schiff auf einer Extrafahrt unterwegs.
(Foto Kurt Hunziker)

Grundlegend sind beide Schiffe noch im Ursprungszustand und sehr gepflegt. Im Jahr 1998 wurde zuerst die «Général-Guisan», dann 2002 die «Henry-Dunant» einer Generalrevision unterzogen:

  • Ersatz der beiden Saurer-Hauptmotoren durch zwei MAN D2840LE mit je 365 kW (496 PS), neue ZF-Getriebe und neue Fernsteuerung
  • Sanierung des elektrischen Bordnetzes sowie Einbau von 2 neuen Generatorengruppen
  • Sanierung von Schale und Struktur der Aufbauten
  • Neuer Anstrich und neues Antifouling
  • Sanierung von Innenausbau, thermische Isolierung des Salons, neues Mobiliar

Im harten Wintereinsatz unterwegs…
(Foto Reto Lutz, 5. Februar 2012)

Im Winter 2013/14 erhielt die « Général-Guisan » zwei neue laufruhige und durchzugstarke MAN D2868LE421 Antriebsmotoren mit neuester CommonRail-Technologie und je 550 kW (748 PS).

Auf einer Leerfahrt trifft die «Général-Guisan» im Hafen von Lausanne-Ouchy ein.
(Foto Benjamin Gross, 14. August 2020)

In den letzten zehn Jahren war die «Général-Guisan» meist im Grenzgängerverkehr eingesetzt, es wurden über 50’000 Kilometer dabei zurückgelegt. Heute verkehrt das Schiff, leider, ohne Kücheneinrichtung und kann daher nicht mehr auf den «grossen» Kursen eingesetzt werden. Schade, denn bei Schiffsausfällen, fehlt eine Einheit – wegen der Küche… Hier müsste dringend eine Lösung gefunden werden. Durch den Ausfall der «Simplon» (mindestens in diesem Jahr) und der kommenden Sanierung der «Helvétie» fehlt der CGN dringend benötigter Schiffsraum. Daher wird die «Général-Guisan» sicher in den nächsten Jahren noch eingesetzt.

Am 16. Juni 2020, dem ersten Tag nach der Öffnung der Grenzen nach dem Lockdown, trifft die «Général-Guisan» in Yvoire ein.
(Foto Ernst Mischler)

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