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Januar 2020

DS Waedensweil – MS Wädenswil (I) – Zürichsee
Die Seegemeinden des linken Zürichseeufers glaubten mehrmals sie seien an den Schiffsverkehr nach Zürich und an die gegenüberliegenden rechtsufrigen Gemeinden schlecht angebunden. 1894 wurde in Wädenswil eine neue Schifffahrtsgesellschaft gegründet. Bestellt wurde bei Escher Wyss in Zürich ein Schraubendampfer.

Foto: DS Waedensweil im Ursprungszustand. Der Steuerstand befindet sich am Bug.

Am 23. Juni 1895 kam die «Waedensweil» in Betrieb. Die Zürcher Schiffsbauer hatten einen Zwei-Schraubendampfer mit einer Länge von 40,0 Meter und einer Breite von 6,5 Meter geliefert. Er besass zwei vierflüglige Schrauben, welche von je einer vertikalen Nassdampf-Triplexmaschine mit 125 PS angetrieben wurden. Den nötigen Dampfdruck von 12 atü lieferten zwei Escher Wyss Dampfkessel. Mitnehmen konnte der Dampfer 300 Personen bei einer Besatzung von sieben Mann ohne Büro. Zum «Büro» zählte man damals den Kassier und, da nicht selten an Bord, auch den Verwalter/Direktor der Gesellschaft. In Fahrt kam ein Schraubendampfer, dessen Namen «WAEDENSWEIL» seitlich in der Mitte des Schiffes in Grossbuchstaben angebracht war. Der Steuerstand befand sich vorn auf dem Hauptdeck, abgegrenzt durch ein kleines Vordeck, nur wenige Meter vom Bug entfernt.

Foto: Die «Waedensweil» mit erhöhtem Steuerstand.

Die finanziellen Erwartungen der Wädenswiler Gesellschaft erfüllten sich nicht, weder konnten Zinsen bezahlt werden noch konnten Abschreibungen vorgenommen werden. Mit Vertrag vom 10. Februar 1900 wurde das Schiff für 40’000 Franken an die Zürcher Dampfboot-Gesellschaft, der Vorgängerin der heutigen ZSG, verkauft. Die neuen Eigentümer versetzten den Steuerstand der «Waedensweil» in die Schiffsmitte und erhöhten ihn zugleich.

Foto: DS Waedensweil auf einer Extrafahrt (Ansichtskarten mit Stempel vom 17. Juni 1902).

Ausser Schraubenhavarien oder einer Grundberührung im Jahr 1913 beim Hafen Enge wurden bis 1931 keine wesentlichen Ereignisse in der Chronik des Dampfers notiert. 1932 wurden dem Dampfer zwei Sulzer 6-Takt Dieselmotoren mit je 220 PS eingebaut. Neu konnte er mit drei Mann Besatzung und einer Kapazität für 360 Passagiere den See befahren. Der Schiffsname wurde am Bug angebracht und der heutigen Schreibweise angepasst in «Wädenswil» geändert. 1947 führte der Dampfer als erstes Schiff durch den Kanal bei Hurden wieder Fahrten in den Obersee aus. Ab 1954 konnten die Motoren vom Steuerhaus aus ferngesteuert und damit ein Maschinist eingespart werden.

Foto: Einbau einer der beiden Dieselmotoren (Winter 1931/1932).

Als das heutige Flaggschiff der ZSG, die «Helvetia» 1964 in Fahrt kam, wurde die ohnehin selten eingesetzte «Wädenswil» nicht mehr benötigt. Im Folgejahr wurde sie verschrottet. Heute erinnert die Glocke auf dem MS Wädenswil noch an die Vorgängerin.

Foto: Festlich beflaggt erreicht das Motorschiff Wädenswil (I) den Obersee (15. Juni 1946).

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