Die Maschine und den Kessel lieferte die Deutsche Elbschiffahrts Gesellschaft «KETTE» Dresden-Übigau. Die Antriebsmaschine ist eine oszillierende Zweizylinder-Verbundmaschine mit Schiebersteuerung und Einspritzkondensation mit einer Leistung von 140 PS (103 kW), Baunummer 113 (Oszillieren bedeutet ein hin und her schwingen der Zylinder). Der mit 10 atü Dampfdruck betriebene Kessel war bis 1993 ein Zweiflammrohr-Zylinderkessel, mit der Fabriknummer 300. Die Patentschaufelräder hatten damals je zehn Holzradschaufeln (2,30 m x 0,48 m). Den Steuerstand baute man am Heck mit einem waagerechten Handsteuerrad auf. Der Anstrich entsprach dem damals für Glattdeckdampfschiffe üblichen Standard mit einem weiss-grün-weissen Schiffsrumpf.
Besonderheit – älteste Glocke
Das Dampfschiff besitzt noch heute eine historische Schiffsglocke am Bug von 1863. Es gibt zwei Versionen zur Herkunft der Glocke, die von ehemaligen Kapitänen erzählt wurden:
Indienststellung
Am 18. April 1896 fand der Stapellauf des Dampfschiffes statt. Schon am 2. Mai 1896 fand die feierliche Indienststellung mit dem Namen Bastei statt.
Die Bastei (305,4 Meter über Meer) ist eine Felsformation mit Aussichtsplattform in der Sächsischen Schweiz am rechten Ufer der Elbe auf dem Gebiet der Gemeinde Lohmen zwischen dem Kurort Rathen und der Stadt Wehlen. Sie zählt zu den meistbesuchten Touristenattraktionen der Sächsischen Schweiz. Von der Bastei fällt das schmale Felsriff etwa 190 Meter steil zur Elbe ab. Sie bietet eine weite Aussicht ins Elbtal und über das Elbsandsteingebirge. Auf der Hochfläche hinter der Bastei befindet sich ein Hotel mit Restaurant.
Unglücksfälle
Einen weniger guten Betriebstag hatte der Dampfer am 13. Januar 1901, als der Bootsmann Oswald Hermann Pieschel an der Landungsbrücke Krippen stürzte, über Bord fiel und ertrank.
Schon wenige Jahre später gab es einen erneuten Unglücksfall am 17. Juni 1908. Den Ersten Steuermann, Paul Otto Hempel erschlug bei der Ausübung seines Dienstes in der Nähe der Station Dresden-Saloppe ein Blitz.
Erste Neuerungen
Regelmässig erfolgten bis heute Reparaturen am Schiff und der Maschinenanlage in der Werft. Ende 1903 wurde an den Kessel eine Pulsometer Anlage angeschlossen, «mit der man im Falle einer Havarie sofort Hilfe leisten konnte, was auf dem Wasser von besonderer Bedeutung ist, als auch bei fremden Objekten gegen entsprechende Entschädigung Rettung zu erbringen und gleichzeitig dadurch im Allgemeinen wie im Interesse der Gesellschaft zur Freihaltung des Fahrwassers beizutragen. Dieser Pulsometer schöpft pro Stunde ungefähr 275 Kubikmeter Wasser, mit welcher Leistung ähnliche Vorrichtungen auf der Oberelbe um ein Beträchtliches überholt sind.»
Die Petroleumbeleuchtung wurde 1912 durch elektrisches Licht ersetzt. Dazu baute man einen Gleichstromgenerator (65 V), angetrieben durch eine Lavall’sche Turbine, geliefert von W. u. F. Laval ein.
Durch den Einbau einer 4 PS starken Dampfsteuermaschine im Jahr 1926 im Mittelschiff, fiel der Hecksteuerstand weg. Sie lieferte die «WUMAG» Waggon- und Maschinenbau-AG Schiffswerft Dresden-Übigau.
Umbau zum Oberdeckdampfschiff
Im Winterhalbjahr 1927/28 bauten die Werftarbeiter in Laubegast die Radkästen nach achtern mit darin installierten Toiletten aus, sowie ein Oberdeck, eine verglaste Windschutzwand zwischen den Radkästen und eine Kommandobrücke auf dem Oberdeck auf. Der Oberdeckaufstieg für die Fahrgäste befand sich wie auf dem Dampfer Bad Schandau asymmetrisch auf der Backbordseite. Er wurde erst 1948/49 mittig verlegt. Bis dahin verblieb auf der Steuerbordseite die Blechbude als Niedergang in den hinteren Salon. Die Holzradschaufeln ersetzten nun Stahlschaufeln. Eine Neuerung war eine Dampfheizung. Der Personendampfer erhielt 1928 erstmals einen weissen Anstrich. Den Schiffsnamen sah man nun halbrund aufgemalt, darunter eine 7-strahlige schwarze Rosette. Der Mast auf dem Vorschiff wurde 1934 um ca. 4 Meter nach vorn gesetzt und eine Überdachung von der Kommandobrücke bis zum Mast mit einem Sonnensegel aufgebaut.
Zweiter Weltkrieg und Neuanfang
Um 1938 führte es Sonderfahrten für die NS-Organisation «Kraft durch Freude» in das Böhmische Fahrtgebiet durch.
Während des schlimmen Zweiten Weltkrieges blieb das Dampfschiff Bastei in Fahrt. Ab Mai 1944 erhielt es einen grün-dunkelgrünen Tarnanstrich. Nach der Bombardierung Dresdens am 13. und 14. Februar 1945 hatte das Dampfschiff Bastei «nur» geringen Fensterschaden. Auf Grund der zerstörten Brücken fand es 1945 von Mai bis Juli auf der Teilstrecke Pirna-Schmilka und nach 1945 auf der gesamten Strecke zwischen Schmilka und Torgau seinen Einsatz.
1948/49 bauten die Werftarbeiter der Laubegaster Schiffswerft am Hinterdeck einen verglasten Niedergang und eine feste Holzbedachung vom Mast bis zum Hinterdeck. Die «Bastei» erhielt wieder einen weissen Anstrich.
Im Jahr 1950 beschriftete man es am Bug mit «DSU 413», weil es, wie die anderen Dampfer, der Deutschen Schiffahrts- und Umschlagsbetriebszentrale mit Sitz in Potsdam für sechs Jahre zugeordnet war.
Im Winterhalbjahr 1950/51 überholte die Werft Laubegast den Dampfer und die Maschinenanlage. Die Mittelwelle bauten die Maschinenbauer in eine feste Welle um. Der Aufgang zum Oberdeck und der vorher asymmetrisch angeordnete Niedergang zum Salon achtern wurden in die Schiffsmitte verlegt.
Neuer Name
Das DS Bastei erhielt 1956 seinen neuen Namen Kurort Rathen.
Rathen ist ein Luftkurort im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge im Freistaat Sachsen. Er liegt unterhalb der Felskulisse des Elbsandsteingebirges in der Sächsischen Schweiz ca. 35 Kilometer von Dresden entfernt. Kurort Rathen ist die einwohner- und flächenkleinste Gemeinde in Sachsen.
Nach einer Kesselreparatur 1961/62 mit Herausnahme aus dem Schiff bauten die Werftarbeiter in Laubegast ein Kesselhaus auf und reparierten das Dampfschiff und die Maschinenanlage.
Im Frühjahr 1962 baute man eine neue elektrische Beleuchtungsanlage von der PGH «Nordlicht» und «Elektroblitz» Dresden ein. Das Bordnetz wurde nun durch einen Drehstromgenerator 220 V / 7,5 kVA mit Dampfturbine von der Fa. Nacke in Coswig betrieben. Das Notstromnetz versorgten zwei Gleichstrom-Turbogeneratoren 24V / 0,5kW vom RAW (Reichsbahn-Ausbesserungswerk) Dessau. Es wurden weiterhin drei Batteriegruppen à 24V / 180 Ah eingebaut. Nach Pfingsten 1962 erneuerten die Maschinenbauer die Kupplungsklaue der Dampfsteuermaschine, weil sie gebrochen war.
Im Winterhalbjahr 1964/65 überholten die Werftangestellten wieder das Schiff und die Maschine. Sie installierten eine mechanische Schornsteinkippvorrichtung.
Zum Werftaufenthalt 1970/71 erhielt die «Kurort Rathen» neue Radkästen.
Durch die Kollision des DS Kurort Rathen am 26. Oktober 1974 mit dem Brückenpfeiler der Strassenbrücke in Meissen, musste es in Laubegast an Land genommen und repariert werden.
Reparaturen und besondere Fahrten
Der Kessel wurde 1975 umfangreich überholt und unter anderem die Kesselberohrung erneuert.
Mit Blumenkästen und Kugellampen ausgestattet, fuhr der Dampfer im Jahr 1977 zu Filmaufnahmen mit dem Dresdner Kreuzchor und Kammersänger Peter Schreier. Ende Mai und Anfang Juni des gleichen Jahres führte es Fahrten für das volkseigene Reiseunternehmen «Jugendtourist» von Dresden nach Ústí nad Labem durch.
1979/80 baute man in der Werft Laubegast auf Grund von Materialrissen einen neuen Dom auf den 83 Jahre alten Dampfkessel auf und es erfolgte wiederum eine umfangreiche Instandsetzung der Maschine.
Am 15./16. Juni 1982 erhielt das DS Kurort Rathen einen neuen Schornstein aufgesetzt.
Anlässlich einer Anlandnahme im Frühjahr 1983 reparierten die Werftarbeiter das Schiff und die Maschine, die eine neue Backbord-Seitenradwelle erhielt. Weiterhin bekam es einen Speisewasservorwärmer für die Kesselanlage, sowie eine neue elektrische Kreiselpumpe zum Deckspritzen, welche im Notfall auch zum Feuer löschen benutzt werden konnte. Am Kessel errichteten die Arbeiter einen neuen Vorbau. Die «Kurort Rathen» erhielt als letzter Personendampfer ein neues, grosses Steuerhaus, welches über die gesamte Oberdeckbreite verlief. Der einzige Lüfter vor dem Schornstein wurde bis über das Sonnensegel verlängert. Mit Saisonbeginn 1984 kam das DS Kurort Rathen wieder in den Fahrdienst zurück.
Probleme mit dem Dampfkessel
Im August 1985 erfolgte eine Stilllegung wegen defekter Kessel-Rauchrohre. Ein Jahr später (1986) wurde das Dampfschiff Kurort Rathen nach der Reparatur des Kessels wieder in Fahrt genommen und nahm dabei an der grossen Flottenparade anlässlich des 150jährigen Bestehens der Personenschifffahrt auf der Oberelbe teil.
Nach der Reparatur eines Kesselschadens im Jahr 1987 konnte es weiterfahren.
Im Winter 1988/89 unternahm die Werft Laubegast Reparaturen am Schiff und der Maschine. Auf Grund von Personalmangel lag es 1989 nur als Reserveschiff am Terrassenufer. Im Spätsommer fuhr man es dann wieder in den damaligen Betriebs-Winterhafen Dresden-Neustadt.
1990 startete es als erstes Dampfschiff im Fahrplan. Das Maschinenpersonal stellte in diesem Jahr einen kleinen Riss am Flansch des Dampfdomes fest. Die DSRK legte fest, dass die Dienstzeit des 1896 gebauten Kessels nun abgelaufen ist. Durch den unbrauchbar gewordenen Kessel nahm man das DS Kurort Rathen ausser Dienst, und es lag von 1991 bis 1993 abgestellt im Hafen Dresden-Neustadt. Der Zustand des Raddampfers verschlechterte sich durch die Liegezeit.
Rekonstruktion nach der «Wende»
Nach der Übernahme der «Weissen Flotte» durch die Conti-Reederei am 23. November 1992 rekonstruierte das neue Unternehmen in den folgenden zwei Jahren acht Dampfschiffe, u. a. auch das DS Kurort Rathen. Es wurde im Sommer 1993 in die Werft Laubegast geschleppt. Mit modernen technischen Anlagen und einem neuen, ölgefeuerten Einflammrohr-Zylinderkessel zur Dampferzeugung mit einem Weishaupt-Brenner (Betriebsdruck 10 bar, Dampfleistung 1,6 t pro Stunde), kam es im Frühjahr 1994 wieder zum Einsatz.
Zur Verbesserung der Stabilität wurden im unteren Bereich des Schiffskörpers Verbreiterungen von beiderseits 15 Centimeter angeschweisst.
Den Bundstakenbetrieb durch den Bootsmann ersetzt nun ein modernes 40 kW Querstrahlruder im Bugbereich mit Antriebsmotor von der Fa. Jastram, um das Dampfschiff vom Land abhalten zu können. Die Dampfturbine und die Turbogeneratoren zur Stromerzeugung lösten zwei Dieselmotoren mit Generatoren (je 64 kW) der Fa. Cummins zur Stromerzeugung ab. Eine moderne Kesselspeisewasser-Aufbereitungsanlage und eine Fäkalienaufbereitungsanlage findet man seitdem neben dem Kessel im Maschinenraum.
Die Decksplanken verlegten die Tischler in Oregon-Pine neu.
Die Dampfsteuermaschine ist heute funktionslos vorhanden, sie steht als historisches Relikt im Mittelschiff vor der Kesselhauswand.
Bei der Rekonstruierung wurde grosser Wert auf die historisch originalgetreue Aussenansicht gelegt, so u. a. beim Steuerhaus, der kreuzweise mit Leinen bespannten Reling, beim Anstrich mit breitem, grünem Streifen unterhalb der Fenster und sandfarbenen Radkästen sowie dem schwarzen Schornstein.
Den Schiffsnamen malte man, wie früher üblich, halbrund auf den Radkasten. Darunter befindet sich eine 11-blättrige Rosette. Die in historischer Anlehnung geschaffene Innenausstattung gestaltete das Ingenieurbüro Vaupel & Partner aus Köln.
Instandsetzungen in verschiedenen Werften
Der Kessel erhielt im darauffolgenden Winterhalbjahr einen Dampfdom, weil der vorhandene Dampfraum im Kessel nicht den Anforderungen entsprach. Das Aufsetzen dieses Dampfdomes bewährt sich.
Vom 21. bis 29. Juli 1997 lag die «Kurort Rathen» erstmals in der Werft Děčín-Křešice in Tschechien. Die Werftarbeiter gossen das Backbord Radlager neu aus und führten den Radbau durch.
Im Winter 2001/2002 fuhr das DS Kurort Rathen erstmals in die Werften von Rosslau und Aken zur Reparatur. Zu diesem Aufenthalt fand ein Radbau statt, die Kurbelwelle wurde überholt und neu in die Lager eingeschwungen.
Ab dem 21. April 2002 unternahm es eine Mehrtagesfahrt zu Dreharbeiten einer MDR-Musiksendung von Dresden nach Pillnitz und wieder zurück, sowie weiter nach Riesa und bis Magdeburg.
Nach erfolgten Reparaturen in den letzten Winterhalbjahren in der Werft Laubegast, fuhr die «Kurort Rathen» im Winterhalbjahr 2005/2006 erneut in die Werft nach Rosslau und in Aken.
Das Dampfschiff erhielt nach der Hauptsaison 2008 einen neu gefertigten Dampfregler durch die Werft Rosslau.
Im Anschluss eines Werftaufenthaltes in Laubegast 2012/13 erfolgte nach dem Schleppen an das Terrassenufer in Dresden der Einbau der teilweise erneuerten Mittelwelle der Maschine in Eigenleistung zusammen mit der Sächsischen Dampfeisenbahn Gesellschaft (SDG) aus Oberwiesenthal.
Im Winter 2015/16 erneuerte das Maschinenpersonal zusammen mit einer Dresdner Firma einige Verschleissteile der Umsteuerung der Maschine. Die Werft Rosslau überarbeitete den Dampfregler.
Zur Winterreparatur 2017/18 tauschte man in Laubegast die Cummins-Hilfsdieselmotoren durch VOLVO-Penta Motoren aus.
Anfang 2020 erhielt die Dampfmaschine neue Bolzen im Maschinenframen.
2021/22 erfolgte der teilweise Neubau beider Radkästen, darin erneuerte man die Toiletten.
Im neuen Kleid zum 130. Geburtstag
Nach dem Winter 2025/26 fährt das Dampfschiff Kurort Rathen nach erfolgten Reparaturen im neuen weissen Anstrich von der Werft Laubegast los und wird an seinem 130. Dampfergeburtstag, am 2. Mai 2026, eine Woche lang besonders gewürdigt.
* Michael Kaiser ist der verantwortliche Maschinist auf dem Personendampfer Stadt Wehlen und Mitglied im Historikerkreis Elbeschifffahrt.
| Technische Daten 2026 | |
| Länge über alles |
57,15 Meter |
| Breite |
5.02 Meter |
| Breite über Radkästen |
10,19 Meter |
| Tiefgang |
0,87 Meter |
| Tragkraft |
300 Personen (davon 82 Innenplätze) |
Über die Einsätze der «Kurort Rathen» informiert Sie die Webseite der Weissen Flotte Sachsen.
Informationen über die Elbschifffahrt entnehmen Sie der Webseite des Historikerkreis der Elbeschifffahrt.