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Lago di Como (NLC)

DS Patria – die Chancen schwinden

Am 17. Oktober 2022 liess die oberste Führung der Schifffahrt der drei grossen oberitalienischen Seen verlauten, dass sie auf dem bereits früher gefällten Entscheid beharren werde, keine Hand zu bieten im Hinblick auf Instandstellung, Wartung und Betrieb des Dampfers Patria. Konkret bedeutet das den weiteren Stillstand des Schiffes am Steg der Villa Olmo zum Einen, das Ausbleiben der immer dringender werdenden Sanierungsarbeiten zum Anderen. Selbst wenn solche vorgenommen werden könnten: Die Werften in Como-Tavernola und Dervio stehen nicht zur Verfügung. Selbst wenn eine Renovation im Trockenen ausserhalb der bestehenden Werftinfrastrukturen möglich wäre – Anlegemöglichkeiten an den Landestegen sind ebenso verwehrt wie ein fester Ankerplatz ausserhalb der Betriebszeiten.

Das wirft die Bemühungen der privaten Unternehmer zurück zum Ausgangspunkt, die in mehreren Schritten dem Dampfschiff eine neue und vor allem erfolgversprechende Zukunft vermitteln wollten. Die letzten beiden Ausgaben der Dampferzeitung haben diese Punkte skizziert. Enrico Guggiari und Giorgio Porta haben nicht nur sehr viel Zeit und Herzblut in das Projekt investiert. Sie haben einen respektablen Sachaufwand und damit Kapital investiert. Schiffsingenieur Marco Ronzoni hat das erste Projekt eines kombinierten Hotel- und Rundfahrtenschiffs umgearbeitet und im Wesentlichen das seit über dreissig Jahre bewährte Bau- und Betriebskonzept des Bodenseedampfers Hohentwiel adaptiert.

Nach der erneuten Absage seitens der Gestione Governativa Navigazione Laghi Italiani haben die Unternehmer die administrativen Arbeiten eingestellt. Gegenüber den Medien und der Öffentlichkeit stellten sie die Frage in den Raum, wer sie für die Kosten, die sie in gutem Treu und Glauben auf sich genommen haben, entschädigt. Sie geben darin den Ball an die Politik weiter beziehungsweise zurück. Eignerin der «Patria» ist die Provinzregierung und -verwaltung von Como. Sie hat die Aufarbeitung und den späteren Betrieb öffentlich ausgeschrieben und das Unternehmen The Lake of Como Steamship Company S.n.c. mit Sitz in Como hat die öffentliche Ausschreibung durch die Provinzbehörde für sich entschieden.

Enrico Guggiari und Giorgio Porta kritisieren in ihrer Verlautbarung, wie es die Behörden verantworten können, aus Steuergeldern über drei Millionen Euro für die erste Renovation (vor 2013) auszugeben, und nun das Schiff vergammeln lassen. Immerhin handelt es sich bei DS Patria um ein historisches Schiff mit Denkmalwert, das auch einen entsprechenden behördlichen Schutz geniesst. Die Spuren von Rost und Fäulnis werden immer sichtbarer.

Die Medienmitteilung vom 17. Oktober 2022 hat sofort zu Reaktionen in der Öffentlichkeit geführt und im Grundtenor ist man sich weitgehend einig: Der unverständliche bürokratische Entscheid einer Behörde weitab des Geschehens wird als Massnahme fern jeder sachlich vertretbaren Begründung gewertet. Der Ball liegt jetzt wieder bei der Behörde und der Politik auf drei Ebenen: Die Provinzverwaltung Como als Eignerin auf der einen, die ministerialen Behörden in Rom, welcher die Schifffahrt des Comersees unterstellt ist, auf der anderen Seite. Dazwischen stehen die Regionalverwaltung und -regierung der Lombardei in Milano. Ob die drei Ebenen eine Lösung zu Gunsten des Dampfers Patria ermöglichen, wird die Zukunft zeigen. Zu lange darf man nicht mehr warten!

Mario Gavazzi

Foto: Wird das DS Patria je wieder eine fröhliche Bordatmosphäre wie an der Einweihung am 19. Juli 2013 erleben? (Foto Mario Gavazzi)

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