Rhein – BPG

Hoffnung kommt auf: Die geplante Ausserdienststellung des MS Baslerdybli wird ernsthaft hinterfragt.(Foto Georg Mantler, 30. November 2025)
Hoffnung kommt auf: Die geplante Ausserdienststellung des MS Baslerdybli wird ernsthaft hinterfragt.
(Foto Georg Mantler, 30. November 2025)

Die BPG wurde verkauft

Der Kanton Basel-Stadt kann die Basler Personenschifffahrt Gesellschaft (BPG) an das Unternehmen United Waterways verkaufen. Der Grosse Rat hat mit 51 zu 43 Stimmen bei 2 Enthaltungen dem Antrag der Kommission zugestimmt.

 

Er befürwortete damit eine Umwidmung der BPG-Aktien vom Verwaltungs- ins Finanzvermögen. Dies gibt der Regierung freie Hand für den Verkauf der Flotte für 250’000 Franken an das international tätige Basler Schifffahrtsunternehmen. Die Fraktionen LDP, FDP, Mitte/EVP, GLP und SVP plädierten für einen Verkauf der BPG. Sozialdemokraten, Grüne und Basta sprachen sich gegen eine Privatisierung aus. Sie forderten stattdessen eine Leistungsvereinbarung mit der BPG und einen deutlich höheren Betriebsbeitrag. Das Parlament sprach sich mit 49 zu 44 Stimmen bei 3 Enthaltungen für die erste Variante aus.

 

Die Eckpunkte des Kaufvertrags

Der Kaufpreis für die BPG beträgt 250’000 Franken.

 

United Waterways verpflichtet sich, das Angebot der BPG in Basel während zwölf Jahren aufrechtzuerhalten.

 

Der Kanton kann die BPG während den nächsten zwölf Jahren zurückkaufen, sollte es United Waterways nicht gelingen, das vereinbarte Mindestangebot aufrecht zu erhalten.

 

United Waterways darf das MS Rhystärn während der Dauer der Betriebsgarantie nicht ohne Zustimmung des Kantons verkaufen.

 

Die Flotte der BPG wird bis ins Jahr 2037 CO2-neutral betrieben.

 

Den Mitarbeitenden wird in den nächsten drei Jahren nicht gekündigt, ihre Löhne und Arbeitsbedingungen dürfen nicht verschlechtert werden.

 

Aussichten

Der neue Besitzer der BPG, die United Waterways mit Robert Straubhaar an der Spitze, äusserte sich in einem Interview mit der Basler Zeitung (8. Januar 2026) unter anderem wie folgt (Auszug):

 

Herr Straubhaar, der Grosse Rat hat dem Verkauf der Basler Personenschifffahrt an Ihr Unternehmen, United Waterways, zugestimmt – werden jetzt die Fahrpreise teurer? «Dieser Entscheid ist primär ein Erfolg für die BPG, die Steuerzahlenden und all jene, die auf diesen Schiffen in Basel fahren wollen. Aber man muss kein ökonomischer Preisträger sein, um zu wissen, dass die Defizite der BPG nicht mit Preiserhöhungen wettgemacht werden können. Die Fahrten sind heute schon nicht günstig. Bestehende Kunden werden vertrieben, und woher sollen zusätzliche Gäste denn kommen, wenn wir die Preise verdoppeln?»

 

Wie wollen Sie denn das defizitäre Unternehmen, das stets nur mit Subventionen am Leben gehalten werden konnte, aus den roten Zahlen steuern? «Wir wollen mit der BPG Gewinn machen, das ist klar. 2027 wollen wir 15 bis 20 Prozent mehr Umsatz machen, in fünf Jahren wollen wir den Umsatz verdoppeln. Aber der Schlüssel zur finanziellen Gesundung ist nicht eine Preiserhöhung, sondern die Erweiterung des Angebots.»

 

Wie soll das Angebot der BPG in Zukunft aussehen? «Die BPG bietet drei Produkte an. Das sind einerseits Planfahrten: Hier wollen wir mehr Präsenz markieren und zum Beispiel öfter nach Rheinfelden fahren. Daneben gibt es die Erlebnisfahrten: Hier werden wir für die verschiedenen Anspruchsgruppen deutlich mehr massgeschneiderte Angebote offerieren. Und nicht zuletzt möchten wir mit einer Charmeoffensive mehr Charterfahrten generieren, von der Goldenen Hochzeit auf dem MS Baslerdybli bis zu Firmenjubiläen. Wir wollen alle drei Produkte ausbauen. Die Schiffe kosten so viel Geld, damit muss man fahren!»

 

Ab wann wird man die ersten Änderungen bemerken? «Die meisten Änderungen sind ab 2027 geplant. Man kann ein neues Konzept nicht von heute auf morgen aus dem Boden stampfen. Die Fahrpläne für 2026 stehen ja schon, wir werden da jetzt nicht einfach reingrätschen. Im nächsten halben Jahr werden wir mit der BPG-Geschäftsleitung zusammensitzen und das erweiterte Angebot 2027 gemeinsam ausarbeiten.»

 

Sie haben vorhin das MS Baslerdybli erwähnt: Wird das nicht demnächst verkauft? «Ich möchte, wenn möglich, das MS Baslerdybli behalten. Wenn ich an Basel denke, dann sehe ich vor mir das Münster, die Mittlere Brücke und das «Baslerdybli» auf dem Rhein. Klar, das ist keine Cash-Cow, aber was mache ich mit einer kleineren Gruppe, die eine Charterfahrt buchen will? 80 Personen fühlen sich auf einem Schiff für 500 oder 600 Gäste eher verloren. Mit dem kleinen Schiff kann nicht viel Geld verdient werden, es kann aber das Angebot abrunden und einen Deckungsbeitrag leisten. Das ist für mich auch eine emotionale Sache. Aber auch mir ist klar: Das MS Baslerdybli ist in die Jahre gekommen, die technischen Voraussetzungen zum Weiterbetrieb sind ohne grössere Investitionen nicht möglich. Wenn das ein paar Millionen Franken kostet, müssen wir nochmals über die Bücher.»

 

Planen Sie, die Schiffsflotte auszubauen? «Wir schauen erst mal, was man mit dem, was da ist, machen kann. Das MS Rhystärn wird sicher noch lange eingesetzt werden können. Wobei die Abmachung mit dem Kanton, bis 2037 CO2-neutral zu sein, alle Schiffe der BPG betrifft. Auch das MS Christoph Merian soll noch eine Weile fahren. Wenn wir das Angebot wie geplant weiter ausbauen wollen, müssen wir in fünf Jahren über eine Ergänzung der BPG-Flotte nachdenken. Vielleicht dann eher mit einem Passagierschiff für 250 Personen.»

 

Umstrittener Verkauf

Im Vorfeld hatte sich eine knappe Mehrheit der Wirtschafts- und Abgabekommission (WAK) um Präsidentin Andrea Knellwolf (Mitte) hatte sich für einen Verkauf ausgesprochen. Einerseits werde damit die Kantonskasse entlastet, andererseits schätze man die Chancen, die mit dem Verkauf der BPG an ein erfahrenes Unternehmen wie die United Waterways-Gruppe entstehen würden. Die BPG ist seit ihrer Gründung auf Subventionen angewiesen. Eine Kommissionsminderheit um Vizepräsident Pascal Pfister (SP) wollte die Privatisierung der BPG verhindern. Sie befürchtete höhere Preise für ein Angebot, das sie als «Service Public» versteht. Zudem kritisierte sie den «sehr niedrigen» Kaufpreis von 250’000 Franken. Sie verlangte, dass für den Betrieb der BPG 6.5 Millionen Franken für die Jahre 2026 bis 2030 gesprochen werden.

 

Kurzer Kommentar

Mit Ausnahmen hat sich bei diesem Parlamentsbeschluss das Links-Rechts-Schema durchgesetzt. Trotz guter Argumentation gegen einen Verkauf (Stichwort «Service public») konnten sich die Linken, wegen Abweichlern, nicht durchsetzen. Es bleibt nun abzuwarten, was der neue Besitzer aus der BPG macht. Zu hoffen ist, dass man in den Swisspass-Verbund (Anerkennung von General- und Halbtaxabonnementen) zurückkehrt. Und dass man sich ernsthaft darum bemüht das MS Baslerdybli zu erhalten. Die verschiedenen Nostalgiefahrten im vergangenen Jahr, die immer fast ausverkauft waren, zeigen, dass mit einem solchen Schiff vieles erreicht werden kann, sei es mit Themenfahrten und/oder Extrafahrten.

 

United Waterways

 

Mitteilung United Waterways zum Kauf der BPG

 

Weitere Nostalgiefahrten mit dem MS Baslerdybli 2026