EDITORIAL

MS Büren und MS Chasseral

MS Vully und MS Col-Vert

Motorschiff Baden

Zürich und seine Dampfschiffe

Im Berner Oberland

Neues Hallwilersee-Schiff

Neue Bodenseefähre


Dampferzeitung Ausgabe 2/10

 

Aus dem Inhalt der DZ 2/10

 

EDITORIAL

Liebe Leserinnen und Leser 

Im Sommer bieten die Schifffahrtsgesellschaften eine grosse Vielfalt von Möglichkeiten mit ihren Schiffen zu reisen. Während der Ferienzeit ist die Anzahl der Kursfahrten gross und dazu kommen unzählige Sonderfahrten mit Musik und Köstlichkeiten aus der Bordküche. Beliebt sind während des Sommers Ausflüge, bei denen man mit mehreren Schiffen fährt. Auf drei Seen in der Schweiz können die Liebhaber sogar von einem Raddampfer auf den anderen umsteigen. In den vergangenen Jahren wurden leider die Fahrplanperioden für die Dampfschiff-Saison da und dort gekürzt. Diese Reduktionen fallen oft nicht auf, es werden nur wenige Tage gestrichen oder ein Raddampfer weniger oft in Fahrt genommen. Der wirtschaftliche Druck auf den Schifffahrtsgesellschaften zwingt sie zum Sparen. Der Zwang wird sich noch verstärken. Die öffentliche Hand unterstützt touristische Fahrten immer weniger. Störend ist jedoch, wenn die beliebten Dampfer mit grossen Beträgen und Unterstützung der Fangemeinden glanzvoll wieder hergestellt werden,  nur für wenige Wochen während der Hochsaison in Fahrt stehen oder gar ganz in der Werft abgestellt sind.

Auch in dieser Ausgabe der Dampferzeitung schauen wir zurück auf die Geschichte der Schifffahrt in der Schweiz. Im Berner Oberland und auf dem Zürichsee sind die Dampfschiffe seit 175 Jahren in Fahrt. Wir freuen uns, dass die Berichte mit vielen historischen Aufnahmen reich bebildert werden konnten. Viele unbekannte Fotos konnten wir Dank der Mithilfe von Archiven und Sammlern veröffentlichen. Sie ermöglichen uns den Zugang zu wertvollen Zeitdokumenten. Selbstverständlich kommt das aktuelle Geschehen nicht zu kurz. Diese Meldungen sollen auch in dieser Ausgabe Anregungen für die eine oder andere Schifffahrt geben. 

Das Team der Dampferzeitung wünscht Ihnen viele Freude und Spass bei Ihren Fahrten und beim Umsteigen von Schiff zu Schiff.

 

Die MS Büren und Chasseral sind 50-jährig!

Während den Nachkriegsjahren erlebt die Schifffahrt auf dem Bielersee einen Aufschwung - Die St. Petersinsel lockt, durch ihre romantische Stimmung und die Erinnerung an Jean-Jacques Rousseau, ganze Scharen von Ausflüglern. Die Drei-Seen-Fahrt steht ebenfalls auf Erfolgskurs.  

MS BÜREN (EX ROMANDIE IV)

Im Sommer 1952 eröffnet Walter Koelliker, Bootsvermieter im Hafen von Neuenburg, die Aareschifffahrt, die es ein Jahrhundert früher nur zwischen 1855 und 1857 gab. Das für diesen neuen Dienst gebaute Schiff heisst Romandie und hat eine Tragfähigkeit von 130 Personen


Das MS Büren auf der Aare

MS CHASSERAL

Bei Kriegsende zählt die Flotte der BSG fünf Einheiten. Das Fahrplanangebot ist sehr bescheiden. Ab Biel wird werktags die Seerundfahrt mit DS Berna oder eines der Schwesterschiffe Seeland und Jura angeboten. Dennoch ist aber die Flotte dem steigenden Verkehr nicht gewachsen, sodass die BSG bei der Bodan-Werft ein Schiff mittlerer Grösse bauen lässt. Die „Chasseral“ läuft am 18. Juli 1960 in Neuenburg von Stapel und wird am 23. Juli in La Neuveville getauft.


Das MS Chasseral der BSG-Flotte

 

Vully und Col-Vert: zwei Vedettes sind 50-jährig!

Die Vorgeschichte unserer beiden Jubilarinnen beginnt am deutschen Ufer des Bodensees - Nach dem Waffenstillstand von 1945 heilt Deutschland seine Wunden.

Im Hinblick auf diesen Neuanfang baut die Bodan-Werft von Kressbronn für die Deutsche Bundesbahn eine Reihe von kleineren Motorschiffen, in der Westschweiz sogenannte Vedettes. Einerseits jene der Kategorie « Fische », eine Art Reisecar auf Wasser für 60 Personen, andererseits die Klasse « Raubvogel » für 125 Personen.

MS VULLY

Mit dem Aufschwung des Tourismus in Murten und auf den Wanderwegen des Vully ist ein neues Schiff notwendig. In diesem Sinn bestellt die LNM bei der Bodan-Werft ein Schiff des Typs Raubvogel. Dieses wird auf den Namen Vully (Stapellauf am 21. April 1960 in der Werft Neuenburg) getauft und am 21. Mai 1960 in Murten eingeweiht.


Das MS Vully im Murtensee-Lokalverkehr

MS COL-VERT

Im Hinblick auf die Landesausstellung Expo‘64 bestellt die CGN bei der Bodan-Werft in Kressbronn zwei Vedettes und zwei mittelgrosse Schiffe für 700 Personen, zusätzlich in Italien ein Tragflügelboot. Die Einweihung erfolgt am 30. Juni 1960 im Haut-Lac (oberer Seeteil) und am 1. Juli 1960 im Petit-Lac (Region Genf) wo die „Col-Vert“ unmittelbar in Betrieb genommen wird.


MS Col-Vert verlässt, mit neuer Bemalung, die Werft in Lausanne

 

Motorschiff Baden wird 75 Jahre alt

Auf die Frage der wohl beliebtesten Schiffe auf dem Überlingersee antwortet ein alter Berufsfischer aus dem Konstanzer Stadtteil Dingelsdorf ohne lange nachzudenken - Die Dampfschiffe Greif und Zähringen, nicht zu vergessen die flinken Motorschiffe Mainau und Höri und natürlich die "Baden"!

Im Zuge der planmässigen Erneuerung der Bodenseeflotte waren im Fahrzeug-Beschaffungsprogramm der Deutschen Reichsbahn von 1934 zwei neue Motorschiffe für die Häfen Konstanz und Lindau vorgesehen. Einmal die "Baden" als Ersatz für den Dampfer Greif, dann die "Deutschland" als Nachfolger für das aus dem Jahre 1890 stammende Dampfschiff Nürnberg (ex "Prinz-Regent").

Den Auftrag für das Konstanzer Schiff erhielt die Bodan-Werft in Kressbronn, der
bayerische Neubau wurde an die während des Ersten Weltkrieges entstandene Werft in Deggendorf an der Donau vergeben.


Die "Baden" legt in Meersburg ab
 


"KfD"-Fahrt nach Bodman

 

Zürich und seine Dampfschiffe

Erster Teil: Vor 175 Jahren kam mit dem Raddampfer Minerva das erste Dampfschiff auf dem Zürichsee in Fahrt - Ein Blick zurück zeigt wie die Eisenbahn dominierte und die Belle Epoque der Schifffahrt auf diesem See keinen Aufschwung brachte. In zwei Teilen wird die Geschichte der Zürcher Dampfschifffahrt aufgezeigt. 

Unter dem Namen „Caspar & Lämmlin, Unternehmer der Dampfschiffahrt auf dem Zürcher- und Walensee“ traten zwei Pioniere an die Öffentlichkeit. Als Financier hielt sich Caspar Escher im Hintergrund. Sie bestellten bei der Maschinenfabrik William Fairbairn in Manchester ein eisernes Dampfschiff. Fairbairn hatte vor der Gründung seines eigenen Unternehmens u.a. bei John Penn in London gearbeitet. 1827 soll er eiserne Wasserräder an „Escher & Co.“ in Zürich geliefert haben und bereits 1831 baute er ein Dampfschiff mit einem Rumpf aus Eisen.



DS Lukmanier im Bauzustand um 1903
 


DS St. Gotthard um 1900 auf Kursfahrt

 

Im Berner Oberland

Teil 3: Die Jahre vor der Wende zum 20. Jahrhundert und bis zum 1. Weltkrieg werden als „belle epoque“
bezeichnet - In dieser Zeit wirtschaftlichen Wachstums konnten Reiche so glanzvoll reisen wie nie zuvor. Es war
 ein Luxus, der nur wenigen vorbehalten blieb.

In den Gegensätzen des Wohlstandes lag auch der Keim des Untergangs der Epoche, der mit dem Ersten
Weltkrieg begann. Als sich nach etwa 1885 die Konjunktur besserte, lag der Lückenschluss im Eisenbahnnetz
zwischen Scherzligen und Därligen nahe.

Die Dampfschiffahrtsgesellschaft des Thuner- und Brienzersees (DGTB), wie sie sich ab 1895 nennen sollte, sah es daher als Überlebensfrage für die Schifffahrt auf dem Thunersee an, selber Interlaken erreichen zu können. Bei einer direkten Zugverbindung war kaum damit zu rechnen, dass viele Reisende für eine Schifffahrt bereit sein würden, zweimal umzusteigen, nämlich in Scherzligen und in Därligen. Vorstudien für einen Wasserweg vom oberen Ende des Thunersees zum Bahnhof Interlaken gehen auf das Jahr 1888 zurück.



Der Schraubendampfer Spiez zwischen 1902 und dem Umbau 1911/12


Die "Jungfrau" um 1900 in Brienz

 

Ein neues Hallwilersee-Schiff

Die neue „Seetal“ ist bereits das vierte schiff auf dem Hallwilersee das diesen Namen trägt – Nach der Taufe vom 23. April 2010 ist die neue Einheit am Tag der Schifffahrt (25. April) in Betrieb genommen worden. Mit dem neuen Flaggschiff beginnt eine neue Ära für die Schifffahrtsgesellschaft des Hallwilersees (SGH).

Eine öffentliche Schifffahrt auf dem Hallwilersee besteht seit 1888. Das Dampfboot Otto wird von Jakob Fischer-Gloor (späterer Verwaltungsratspräsident) privat erworben und 1889 von der Dampfschifffahrtsgesellschaft käuflich übernommen. Dieses erste Dampfboot bleibt bis 1893 im Einsatz und wird anschliessend abgebrochen. 1889 wird bereits ein zweiter Schraubendampfer in Betrieb genommen. Die „Hallwyl“ (I), erbaut von Escher Wyss in Zürich, kann 70 Personen transportieren, erweist sich im Betrieb aber als unwirtschaftlich und wird nach der Inbetriebnahme der „Seethal“ (I) nur noch selten eingesetzt und 1911 durch ein Motorschiff (!) ersetzt.


Die neue "Seetal" wird auf ihrer Jungfernfahrt von den MS Seerose und Fortuna begleitet


MS Seetal auf der ersten Kursfahrt

 

Neue Bodenseefähre

Das grösste Schiff auf dem Bodensee trägt den Namen Lodi - Auf der Fährverbindung Konstanz – Meersburg wird nicht nur die Kapazität erhöht, sondern auch der Komfort. Eine Überfahrt mit der neuen Fähre bietet den Passagieren eine genussvolle Schiffsreise.

Seit 1928 verkehren Fähren auf der Strecke Konstanz – Meersburg. Sechs Schiffe und 115 Mitarbeiter ermöglichen die Beförderung von rund 4 Mio. Passagieren, 1,4 Mio. Personenfahrzeuge und 80'000 Lastwagen pro Jahr. Die Fähren verkehren an 365 Tagen im Jahr während 24 Stunden. Tagsüber sind sie mindestens im Viertelstunden-Takt in Betrieb.


Die neue Fähre im Test mit Bussen der Stadtwerke Konstanz